ZUM INHALT SPRINGEN
WELT30 MIN. LESEZEIT

Gesprächsnotizen zwischen Öcalan und der Kandil-Delegation: Zweiter Teil

Wir veröffentlichen den zweiten Teil des dreiteiligen Gesprächs zwischen Öcalan und der Kandil-Delegation (Helin Ümit, Duran Kalkan, Sabri Ok u. a.), das nach vorliegenden Angaben am 1. und 2. Februar stattgefunden haben soll und dessen ersten Teil wir bereits veröffentlicht haben.

TEILEN
Gesprächsnotizen zwischen Öcalan und der Kandil-Delegation: Zweiter Teil

RastinewsWir veröffentlichen nun den zweiten Teil des dreiteiligen Gesprächs zwischen Öcalan und der Kandil-Delegation (Helin Ümit, Duran Kalkan, Sabri Ok…), das nach eigenen Angaben am 1. und 2. Februar stattgefunden haben soll und dessen ersten Teil wir bereits veröffentlicht haben.

Liebe Rastî-Leserinnen und -Leser, wir haben Ihnen den ersten Teil unserer Notizen zu dem Gespräch vorgestellt, das nach vorliegenden Angaben am 1. und 2. Februar 2026 zwischen Abdullah Öcalan, staatlichen Vertretern und der Kandil-Delegation stattgefunden haben soll und uns zugespielt wurde. Nun teilen wir mit Ihnen den zweiten Teil. Den abschließenden dritten Teil veröffentlichen wir morgen.

Hier der ZWEITE TEIL

Abbas Ark: Wir Politiker des Nahen Ostens – uns eingeschlossen – verfallen in Selbstzufriedenheit, sobald sich uns nur die geringste Gelegenheit bietet.

Vorsitzender: Ja, natürlich ist das so. Mubarak, Saddam, Assad, Gaddafi... ihrer aller Ende liegt offen zutage.

Sabri Ark: Wir haben Assad so oft gewarnt. Sie kannten auch Sie. Sie hörten nicht. Sie haben sich nicht demokratisiert.

Vorsitzender: Meiner Meinung nach hat auch Erdoğan sie ein Stück weit getäuscht. Ich glaube, dieselben Kräfte wollen jetzt auch Herrn Erdoğan ein solches Ende bereiten. Das sagen wir immer wieder. Die Kurden als Gründungselement wurden geleugnet und ausgegrenzt. Lasst uns die Republik weiterentwickeln und verteidigen. Mustafa Kemal sagt: Wir haben die Republik gegründet, ihr werdet sie weiterentwickeln. Das ist eine Anweisung an jene, die sich als Kemalisten ausgeben. Wir sagen: Lasst uns die Republik mit der Demokratie zusammenführen. Was ich tue, ist eine Verteidigung der Republik. Mein Aufbegehren richtet sich gegen die Republik, nicht gegen ihre Tugend. Dieser Kurde teilte bei der Gründung eurer Republik dieselben Werte. Ich gehöre nicht zu jenen Politikern. Arbeit schafft den Menschen und macht ihn zum Sozialisten. Ich will, dass meine Arbeit zählt. In mir steckt die Liebe zur Arbeit. Ihr könnt mich nicht zersetzen. Auch der Staat wird das begreifen. Das gilt ebenso für die PKK. 40 Jahre lang könnt ihr unter meiner Führung nicht so weiterleben. Das weißt du (Abbas Ark) am besten. Du kennst mich gut. Du kennst meine Arbeitsweise. Du bist ein Mann der Arbeit. Dass es dir nicht gelungen ist, liegt offen zutage. Ich übe diese Kritik, weil ich euch respektiere.

Abbas Ark: Das stimmt, Herr Vorsitzender.

Vorsitzender: Ob wir sterben oder weiterleben – es muss für uns von Wert sein. Ich habe nicht die Absicht, euch in Bedrängnis zu bringen. Ich übe diese Kritik, weil ich euch schätze. Würde ich es nicht tun, wäre das schlecht.

Abbas Ark: Das ist uns bewusst. Das Gegenteil wäre schlimmer. Fehlende Kritik, ja sogar Lob, ist gefährlicher.

Vorsitzender: Das wäre ganz sicher schlecht und gefährlich. Du bist noch loyaler und arbeitsamer als ich. Aber ich übe Kritik. Es gibt jetzt gewisse Kemalisten, Scharlatane in den Medien, die uns zu Staatsfeinden erklären. Verkommenheit und Unmoral reichen bis zum Knie. Das sind Betrüger. Der Mutige in der Türkei ist Bahçeli. Er erinnert auch die DEM-Partei an mich und sagt, man solle sich am Gründungsführer orientieren. Wie auch immer – ob ihr mich als Rivalen oder als Führer seht, wir sind bis hierher gekommen. Ich habe sehr viel geleistet. Weder ihr noch der Staat könnt behaupten, ich hätte nichts geleistet. Aber von nun an kann ich euch nicht mehr auf diese Weise führen. Wenn dieser Weg falsch ist, werdet ihr einen anderen finden.

Sabri Ark: Was sollen wir aus Ihren Worten schließen, Herr Vorsitzender? Entweder nimmt der Staat unsere Führung als Gesprächspartner an und löst das Problem, oder wir als Bewegung gehen unseren eigenen Weg – ist es so zu verstehen?

Vorsitzender: Entweder entwickelt sich eine Lösung, oder es beginnt ein umfassender Angriff gegen euch. Binnen drei Monaten wird der Staat mit seiner ganzen Kraft losschlagen und dabei 2015 in den Schatten stellen. In drei Monaten entweder eine bedeutsame Verständigung oder ein Krieg mit voller Härte. Ihr müsst innerhalb von drei Monaten eine Lösung finden.

Abbas Ark: Das sehen wir. Es gibt auch viele Kreise, die genau das wollen. Sie liegen auf der Lauer.

Vorsitzender: Ganz genau. Die Politik sagt: Möge der Konflikt so schnell wie möglich beginnen, möge dieser Prozess so schnell wie möglich enden, auch wenn danach der Tumult losbricht. Özal hat es versucht, bei seinem ersten Vorstoß sprach er von drei, vier Banditen. Erbakan, Ecevit und die anderen stellten die falsche Diagnose. Eine Lösung kam nicht zustande. Diesmal ist die Lage anders. Der jetzige Prozess gleicht nicht den früheren. Als der Genosse Sabri zum ersten Mal kam, sagte er, wir hätten solide Beziehungen. Mag sein, ihr könnt Beziehungen entwickeln, auch staatliche Beziehungen eingeschlossen. Aber das wird Folgen haben. Man rückt Barzani in den Vordergrund. Einem kurdischen Nationalstaat wird der Weg bereitet. Deshalb steht Barzani im Vordergrund. Dasselbe hat man mit den Türken gemacht. Zeigen wir auch nur eine geringe Schwäche, öffnen Israel, Frankreich und die Briten sich vollends den Weg. Schrittweise Entwaffnung – und die Türkei führt mit aller Kraft den Weg zur Vernichtung an. Noch zehn Jahre, wieder zehn Jahre. Bis wohin? Es wird eine Literatur des kurdischen Heldentums entstehen, und die Gegenseite wird von türkischem Aufschwung sprechen. Verlieren werden am Ende die Türkei und die Kurden. So war es auch beim Osmanischen Reich. Was haben wir aus dieser Politik gelernt? Sie lässt immer nur verlieren. Dass sich dieser leere Reifen dreht, bedeutet keine Bewegung. Lasst uns diesen Zustand beenden, in dem man sich wie ein Mühlengaul im Kreis dreht und immer wieder am selben Punkt landet. Ein Kind hat Demirel einmal erinnert: Seit 40 Jahren steigst du auf und ab wie ein Rodeo-Pferd, bist du dessen nicht müde? Wir müssen eine Lösung finden.

Abbas Ark: Saudi-Arabien soll für die jüngsten Kämpfe und die Angriffe auf Sharaa vier Milliarden Dollar ausgegeben haben. Wir teilen Ihre Einschätzung. Die kurdische Gesellschaft ist wach. Im Iran gibt es einen weiteren Aufstand. Aber auch alle übrigen Kurden stehen rund um die Uhr für Rojava ein. Wird das nicht richtig gelenkt, kann es in eine andere Phase übergehen. Natürlich entwickelt sich auch der Barzanismus.

Vorsitzender: Auch das ist Teil des Plans. Das Ziel ist ein türkisch-kurdischer Krieg. Das ist die dahinterliegende Logik. Dass Tausende Kurden in Haseke massakriert werden, ist entsetzlich. Selbst wenn sie einen Staat gründen würden, würde daraus höchstens ein Emirat werden, an dessen Spitze ein Barzani stünde. Deshalb gebe ich der Demokratischen Republik den Vorzug. Jenseits davon sehe ich keine Lösung. Nur so kann ein demokratisches System aussehen. Im Grunde greifen sie meine These der Republik an.

Helin: Herr Vorsitzender, durch diese Angriffe wird in der Person Barzanis die Lösung der demokratischen Nation geschwächt. Der Nationalstaatsgedanke wird gefördert. Deshalb rückt Barzani in den Vordergrund.

Vorsitzender: Die Türkei wird den Kurden kein nationalstaatliches Verständnis zugestehen. Sie hat zwar Kollaborateure, aber sie wird es nicht zulassen. Genau das ist der Weg, dieses Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Krieges zu machen. Man rührt an gesellschaftliche Empfindlichkeiten. Die Barzanis sind erbarmungslos, ihr wisst, wie sie gegen uns gekämpft haben.

Helin: Ja. Ihr Lösungsprojekt mit demokratischer Perspektive wird zur Zielscheibe gemacht. Man will diese Lösung zum Streitpunkt machen.

Vorsitzender: Vielleicht liegt genau darin der Grund, warum man das zu diesem gordischen Knoten gemacht hat. Sollte es einen politischen Koordinator geben, werde ich euch dazu einen ausführlicheren Bericht vorlegen. Setzt sich Barzanis Führung durch, ist der Pfeil vom Bogen geschossen. Die Briten versprechen das den Barzanis schon seit 1880. Ein Vertreter sagte, die Regierungsweise in Başûr trage britische Züge. Sie arbeiten nur für sich selbst. Es ist geradezu ein System der Ausplünderung.

Amtsträger: In Venezuela ist es genauso.

Abbas Ark: Ja, in Venezuela ist es genauso.

Vorsitzender: Das ist das System der Ausplünderung durch Kanonenboot-Politik, ganz nach venezolanischer Art. Deshalb setzen sie mich, wie einst Lenin, unter besondere Überwachung. Auch mit Lenin haben sie es so gemacht. Sie haben mich zur unerwünschten Person erklärt und dafür gesorgt, dass ich keinen Fußbreit Boden mehr betreten kann. Sie haben britische Formeln erprobt wie „PKK ohne Apo" und „Apo ohne PKK". Ich habe dieses Spiel durchkreuzt. Der Zorn der Briten auf die Kurden ist historisch gewachsen. Wie Sie wissen, wollte Major Noel die Kurden gegen die Republik aufwiegeln, hatte damit aber keinen Erfolg. Lawrence wiederum wollte die Araber gegen die Türken aufwiegeln und aufhetzen. Noel scheiterte, und die Briten sind darüber verärgert und verzeihen den Kurden das bis heute nicht.

Jetzt müssen wir einen Ausweg finden. Wie auch immer wir das tun – lasst uns diese drei Monate planen. Diskutiert es, aber diese Dreimonatsschwelle muss überschritten werden. Krieg oder Frieden? Das müssen wir nun entscheiden. (Wendet sich an die Amtsträger) Ich bitte darum, dass jetzt die Politik entscheidet. Ich habe Respekt vor Herrn İ. Aber selbst wenn ich wollte, bin ich unter diesen Bedingungen nicht in der Lage, die Führung auszuüben. Der politische Spielraum verengt sich. Der Prozess darf nicht länger als drei Monate dauern. Innerhalb von drei Monaten muss eine historische Schwelle überschritten werden. Dieses Kriegsteam ist gefährlich, und es hat für euch sicherlich auch einen gewaltigen Plan vorbereitet. Ich kenne dieses Team gut. In der Vergangenheit habe ich hier ziemlich oft mit ihnen gesprochen. Sieben Jahre lang haben wir auf İmralı miteinander gesprochen. Aber unser heutiger Gesprächspartner ist ein anderer.

Ihr habt dieses Gebäude gesehen. Es ist sehr wertvoll. Aber ich kann darin nicht atmen. Der Status des Gebäudes ist entscheidend. Es ist weder Gefängnis noch Wohnhaus... weder Vogel noch Kamel… In diesem Zustand werde ich in dieses Gebäude nicht gehen. Ohne die politisch-rechtliche Dimension zu bedenken, geht das nicht. So handelt kein Staat. Die rechtliche Dimension ist entscheidend. Mit diesem Status kann ich seelisch nicht leben. Ich wirke begeistert, weil ich ein segensreiches Werk vollbringe. Aber man kann nicht sagen: Bleib einfach so, den Rest erledigen wir. So steht es um die Politik. Aber ich spreche kein Amen zu einem Gebet, das nicht in Erfüllung gehen wird.

Abbas Ark: Auch wir haben dazu etwas zu sagen. Ein Jahr ist vergangen. Es gibt keinen Fortschritt. Es gibt sogar einen Rückschritt. Wir haben von einem zweiten Sèvres gesprochen. Die Lage entwickelt sich in diese Richtung.

Vorsitzender: Ja, es steuert auf ein zweites Sèvres zu. Dorthin geht die Entwicklung. Wie die Lage auf dem Balkan. Die Politik sagte, sie werde nicht mit dem „Terroristenchef" sprechen. Zuletzt sagte Bahçeli mutig, er werde selbst hingehen. Kaum zu glauben. Mein größter Widersacher sagt das. Aber jene, die sich als Opposition ausgeben, sind nicht gekommen.

Abbas Ark: Auch profitgetriebene Kreise haben provoziert und Einfluss genommen. Manche Kreise haben sie zurückgehalten.

Vorsitzender: Es gibt eine kurdische Masse von 60 Millionen Menschen. Israel ist auf der Jagd. Es ist auf der Suche nach einer wirksamen Diplomatie. Sie wollen mit dem kurdischen Stock auf Iran und Irak einschlagen. Im Nahen Osten haben sie ihn gegen bestimmte Mächte als Stock benutzt. Sie sagten, wir hätten Israel schlagend erschaffen, wir hätten das Öl schlagend in der Hand. Sie sagten, warum nimmst du uns diesen Stock aus der Hand. Ich sage, das sollen die Verantwortlichen jetzt etwas erklären. Ich sage, die Führung dieser Lösung soll die Türkei übernehmen. In der Seldschukenzeit wurde ein kurdischer Staat gegründet, dessen Hauptstadt Hamadan war. Die Hälfte war turkmenisch. Die Seldschuken vertreten eher die Kurden als die Türken. Als Alparslan nach Manzikert kam, war seine gesamte Familie in Hamadan. Er kämpft wie ein typischer kurdischer Emir. Wir müssen gut verstehen, wie die Briten das Osmanische Reich zum Einsturz gebracht haben. Der jetzige Zusammenbruch ist nach demselben Muster über die Kurden gestrickt. Auch Saddam haben sie so weggebracht. Hier muss die Diagnose genau gestellt werden. Ich habe den Brief des Kanuni gelesen. Seine Mutter sagt: 'Mein Sohn, du hast dieses Imperium gegründet, aber wie willst du es im Osten gegen Georgier und Perser schützen.' Darauf gibt der Kanuni folgende Antwort: Ich habe eine kurdische Festung aus lebendigen Körpern errichtet, niemand kann sie überwinden und uns bedrohen. Diese Politiker können das heute nicht sehen. Abdulhamit setzt die Hamidiye-Regimenter ein, um die Armenier unwirksam zu machen. Schaut euch jetzt die eingegangenen Beziehungen an. Wir haben Brüderlichkeit gesagt, warum entwickelt sie sich nicht. Warum diese Zurückhaltung, dieses Zögern.

Ich werde mir so viel Mühe geben. Ich habe mich gegen dich aufgelehnt, aber ich hatte recht, weil du die Kurden geleugnet hast. Jetzt sage ich Lösung. Die Politik versteht das nicht. Ich hatte Herrn İ. gesagt, sie stellen Şara ständig als Araber, Araber in den Vordergrund. Aber haben nicht die Araber das Ende eures Imperiums herbeigeführt? Was ist die Sünde der Kurden. Haben die Kurden mit dir nicht Brüderlichkeit gehalten? Was ist das für eine Haltung. Wenn ihr so sehr darauf besteht, sage ich, ihr hättet Bestechungsgeld aus Katar genommen. Wenn die Saudis so viel Geld gegeben haben, geben vielleicht auch andere. Sie zeigen den Kurden gegenüber stets eine negative Haltung. Dem muss ein Ende gesetzt werden.

Abbas Ark: Diese Sprache ändert sich überhaupt nicht. Zunächst schien es, als würde eine Veränderung vollzogen. Aber dann kamen die Nutznießer ins Spiel und beleidigen uns weiterhin. So war es schon in der Zeit von Erbakan und Özal.

Vorsitzender: Ihr seid nur hier, um die Gefahren und die positive Lage aufzuzeigen. Özal hat gehandelt, sie haben ihn weggebracht. Erbakan haben sie aus dem Ministerpräsidentenamt entfernt.

Sabri Ok: Sie konzentrieren sich so stark darauf. Wir haben so viel entschieden. Wir haben einen Kongress abgehalten. Aber wenn sich die Haltung euch gegenüber nicht ändert, wie sollen wir vorgehen. Wenn die Mediensprache mit Beleidigungen und schlechter Sprache weitergeht, wie sollen wir innerhalb von 3 Monaten in eine positive Phase übergehen. Der Staat ist aus kurdischer Sicht negativ.

Vorsitzender: Ich wollte dem vorbeugen. Ich will es ins Positive wenden. Die Hinwendung zu euch wird ein Niveau erreichen, das 2015 hinter sich lässt. Jetzt sind die Liberalen aufgetreten und sagen, was soll dieses Abkommen, man müsse das beenden, warum wurde ein Abkommen mit der SDF unterzeichnet. So sehr hassen sie die Kurden. Sie sagen, die HTS müsse bis zum Letzten vernichtet werden. Also wenn es ein kurdisches Dorf gäbe. Wenn sie sich dort festsetzen würden, welchen Schaden hätte das für euch. Die sind ohnehin eure Absicherung. Den Arabern kann man langfristig nicht vertrauen. Ihr irrt euch, das wird euch noch zur Last werden. Wie im Ersten Weltkrieg sind die Araber keine Freunde. Ihr beherrscht die richtige Politik nicht so wie ich. Ihr seid der Beziehung, die ich hier mit dem Staat entwickelt habe, mit Misstrauen begegnet. Ihr habt sogar gesagt, das könnte ein Spiel des Sonderkriegs sein. Kann das sein? Ich habe gesagt, es kann sein. Aber seiner Natur und seinem Inhalt nach ist es das nicht.

Helin: Was uns unter Druck setzt, ist Ihre Lage, Vorsitzender. Wir haben keinen Zweifel oder keine Sorge in Bezug auf Sie. Aber Ihre Lage und Ihre Bedingungen sind belastend. Es gibt niemanden, weder in unserer Führung noch in unserer Struktur, der Ihre Worte nicht berücksichtigt.

Vorsitzender: Das ist für mich kein Problem. Ich sollte als Letzter frei sein. Aber wenn sie auch nur von diesem Haus und diesem Ort wüssten, würden sie einen Aufruhr veranstalten. Sie würden euch alle beseitigen. Sie würden auch den Verantwortlichen Verrat vorwerfen.

Helin: Sie geben sich Mühe. Aber wenn es eine normale Staatlichkeit gibt – und wenn wir hier sind, gibt es sie –, dann muss auch sie sich etwas bemühen. Es muss eine Bemühung um Wandel geben.

Vorsitzender: Sie bemühen sich, aber es reicht nicht aus. Die politische Institution ist eine Katastrophe. Es kamen zwei Leute hierher. Einer war Professor. Hüseyin Yayman war ängstlich, als wäre İmralı kein türkischer Boden. Mit Fethi Yıldız hatten wir einen Dialog. Yayman hatte eine sehr kläglich wirkende Haltung. Über die anderen könnt ihr euch selbst ein Bild machen.

Helin: Ja, er hatte große Angst. Die Beziehung zwischen der Führung und der Bewegung ist für diesen Prozess wichtig. Seit 7 Monaten warten wir darauf, hierherzukommen. Wir brauchten Diskussion und Gespräch. Wir vollziehen einen strategischen Wandel, für das Wohl des Verlaufs sollten Sie nicht in dieser Position sein.

Vorsitzender: Ich bin zum Problem gemacht worden. Das ist eine gefährliche Haltung. Ich bin doch derjenige, der Schritte unternimmt, ich bin derjenige, der einen Beitrag leistet. Aber sie sagen, mit Öcalan geht es nicht. Als wäre ich das Hindernis. In diesem Fall müsste man mich entweder töten, oder ich müsste mich selbst töten. Dann sucht euch jemand anderen, der es löst. Sie sagen Selahattin. Aber was kann der arme Selahattin schon tun.

Sabri Ok: Er selbst sagt, solange die Führung da ist, kann ich nichts tun.

Vorsitzender: Machen wir doch Barzani zum König, er soll es lösen. Es gibt eine große Sackgasse. Sie rechnen aus, wer die kurdischen Stimmen stehlen wird. Sie kalkulieren im Hinblick auf die Wahl. Auch mit Barzani spielen sie so. Die Verantwortlichen arbeiten, aber ihre Macht ist begrenzt. Die Macht der anderen, also der Gegner, ist größer. In Aleppo haben sie eine Gelegenheit gesehen und sich sofort gezeigt. Wenn diese nicht ihr Gewicht einbringen würden, hätten jene alles auf verrückte Weise getan. Dennoch muss man dem Staat in diesem Sinne Respekt entgegenbringen. Das eherne Gesetz der Putschmechanik ist in Kraft. Es gibt ein ehernes Gesetz. Die Macht von Herrn Erdoğan ist begrenzt. Sie sagen, wir müssen die Kurden unbedingt töten. Aber was würde man gewinnen, wenn man tötet. Diese Macht ist sehr planvoll. Auch die Verantwortlichen sollen wissen, dass ich einen Putschversuch gegen Özal und Erdoğan gesehen habe. Diese können sich direkt an eurer Seite befinden. Es können sogar eure engsten Freunde sein. Ihr merkt es nicht einmal, bevor sie euch am Kragen packen. Ich bin nicht pessimistisch. Arbeiten wir mit diesen Verantwortlichen zusammen. Aber ich kann keine hundertprozentige Garantie geben. Ihre Befugnisse sind begrenzt. Auch dass ihr hierhergebracht wurdet, war eine außergewöhnliche Operation.

Abbas Ark: Dessen sind wir uns bewusst.

Vorsitzender: Wir haben stets gesprochen, sollen auch die Verantwortlichen sprechen.

Verantwortlicher: Wir haben 7 Monate warten lassen. Abdullah Bey sagte, räumt die Höhlen, es kam keine Reaktion. Mit Sabri Bey haben wir viel gesprochen, manches ist geschehen, aber manches auch nicht. Sie haben die Syrien-Frage vor das Parlament gebracht. Wir bemühen uns von Anfang an. Der Parlamentsausschuss diskutiert seit Tagen. Cengiz, Frau Gülistan und andere sind im Ausschuss. Wir sind hingegangen und haben informiert. Der größte Erfolg dieses Prozesses ist, dass kein einziger junger Mensch gestorben ist. Weder Soldaten noch eure Genossen. Das ist ein Erfolg. Wir bemühen uns, aber es wäre nicht richtig zu sagen, morgen wird alles gut.

Sabri Ok: Ihr müsst die Öffentlichkeit in diese Richtung organisieren. Die Sprache der Medien ist weiterhin problematisch.

Verantwortlicher: Ja, sie ist problematisch, aber auch eure Medien berichten, HTS, ISIS und die Türkei würden gemeinsam angreifen. Ronahi, Medya, Sterk TV machen das so. Weil ihr eine Organisation seid, ist eure Disziplin einfach herzustellen. Aber es ist schwer, dass der Staat überall durchdringt.

Sabri Ok: Wir treten auf und erklären es. Aber wenn wir die Presse verfolgen, sehen wir, dass eine schreckliche Politik betrieben wird.

Verantwortlicher: Herr İ. hat dem Parlamentsausschuss ein Briefing gegeben. Im Ausschuss hat er gut dargelegt, dass ihr bestimmte Orte räumt, euch aus der Türkei zurückzieht und den Versuch unternehmt, die Waffen zu verbrennen. Es soll eine gute Atmosphäre herrschen, wir sollten es nicht ins Negative wenden. Sagen wir nicht, wenn es so ist, dann geht es nicht anders. Ich bin auch aus Kastamonu, aber lasst uns vor dem Türkentum, dem Alevitentum und dem Kurdentum zuerst Mensch sein. Ich verstehe unter dem, was Sie gerade gesagt haben, etwas anderes. Sagen Sie damit, wenn innerhalb von 3 Monaten nichts geschieht, sollen Waffen benutzt werden? Wie sollen wir das verstehen.

Sabri Ok: Jetzt kann unsere Führung auf dieser Insel nicht atmen. Sollen wir das nicht ansprechen? Selbst Napoleon ist auf seiner Insel mit seinem eigenen Pferd umhergeritten.

Vorsitzender: Ich spreche von einer politischen Blockade. Es liegt eine ernste Lage vor. Ein politischer Koordinator kann einen Weg öffnen. Die politischen Parteien könnten eine Übereinkunft erzielen.

Verantwortlicher: Die Damen um Pervin suchen wegen der Lastwagen nach Numan. Auch Herr T. wird davon wissen. Wenn schon Hilfe geschickt werden soll, muss man sich an Zusammenarbeit gewöhnen. Wir sagen, schickt es über den Roten Halbmond, übergebt es. Sie bestehen darauf, es müsse unbedingt über Suruç hereinkommen. Wenn der Zweck doch Hilfe ist, kann es dann eine derart absurde, sadistische Angelegenheit sein?

Helin: Der Nahe Osten ist sehr chaotisch. Auch ohne die Angriffe in Aleppo hätte es Entwicklungen geben können.

Verantwortlicher: Das kam mit offenen Augen. Der Leiter der Behörde hat der Delegation und auch wir haben euch Dutzende Male gesagt, die Übereinkunft vom 10. März solle umgesetzt werden. Aber es wurde kein Schritt unternommen.

Vorsitzender: Was Sie da schildern, erzwingt eine neue Planung und einen neuen Mechanismus. Das ist notwendig. Ich muss dabei eine Rolle spielen. Ich muss mich in diesen Tagen etwas damit befassen. Wenn ich diese Rolle nicht spiele, lässt sich das Problem nicht lösen. Wenn das neue Format in ein, zwei Monaten umgesetzt wird, kommen wir dem zuvor. Ich werde bei Bedarf eine politische Rolle spielen. Die Genossen um Sabri haben es zuvor versucht. Sie haben mir über Herrn Emre ein Dokument geschickt. Sie wollten eine Unterschrift, ich habe unterschrieben. Aber weil der Knopf falsch zugeknöpft wurde, ließ es sich nicht lösen. Ist nicht Duran derjenige mit der größten theoretischen Kraft? Aber Kraft allein reicht nicht. Die DEM-Delegation hat nicht genug Kraft zum Atmen. Sie sehen die Kraft von Mazlum Abdi. Sie können es nicht schaffen. Die Politiker müssen mir sagen, ich solle es tun. Der politische Wille soll mir eine Rolle zuweisen. Sie müssen mir den Weg freimachen. Wir wollen auch keine Zugeständnisse. Ich sage, ein Zuhause brauche ich nicht, und wir sollen uns auch nicht in die Grundsätze der Verfassung einmischen. Wo wirst du das gesellschaftliche Subjekt verorten? Erstens: Bestimmt einen politischen Koordinator. Zweitens: Die politischen Führer sollen sich zusammensetzen und entscheiden. Sie können auch einzeln Besuche machen. Dafür ist keine Zeit mehr, ihre Kräfte sind begrenzt. Es müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen ich handeln kann. Ich bin es leid, mit euren Fragen nach meiner Freiheit und meinen Haftbedingungen konfrontiert zu werden. Für mich ist es wichtig, meine politische Rolle zu spielen. Entwickelt sich das, werden die Bedingungen ohnehin bedeutungslos, dann entsteht die Möglichkeit.

Abbas Ark: Das sagen wir auch. So lautet auch der Kongressbeschluss. Außer Ihnen gibt es niemanden, der das tun kann.

Funktionär: Mazlum sagt immer, er wolle das fragen. Er kann keine Entscheidung treffen. Damit meinen sie Kandil.

Vorsitzender: Als ich zum ersten Mal hierher kam, sagte mir ein Vertreter des Generalstabs, sowohl der Tod als auch das Leben als auch deine Befreiung hingen von dir ab. Meiner Ansicht nach ist das eine kluge Aussage. Ich bin derjenige, der das regeln wird. Auch die Delegation kommt in diesem Sinne. Außer mir kann es niemand tun. Zudem gibt es keine Kraft oder Methode, die meine Freiheit sichern könnte. Nur ich kann das sicherstellen. Ich sage den Verantwortlichen auch, das sei keine Drohung, aber ich habe auch meine eigenen Strategien. Anders lässt sich keine Führung ausüben. Solange ich mich nicht befreie, könnt ihr euch nicht befreien. Das ist euch bewusst. Das ist zum Teil euer Recht, aber zum Teil auch bäuerliche Schläue. Für meine eigene Freiheit habe ich eine Strategie.

Delegation: Die Führung fragte einmal nach der Lage im Iran. Wie die Lage im Iran sei – unsere Genossen erklärten, dass es eine große Sympathie der Bevölkerung gebe, dass der Iran anfangs eine ablehnende Haltung eingenommen habe, jetzt aber eine positivere Haltung zeige. Die Führung sagte, es müsse entsprechend den Bedingungen des Iran einen demokratischen Föderalismus geben. Sie erklärte, dass dort, ähnlich wie bei dem, was wir mit der Türkei gemacht haben, eine Lösung den iranischen Bedingungen entsprechend durchgesetzt werden könne, dass es ohnehin bereits eine kurdische Provinz gebe und dass diese kurdische Provinz erweitert, demokratisiert und aktualisiert werden könne. Die Führung sagte, das Kommen Malikis könne Folgen haben. Die Verantwortlichen sagten, sie hätten davon Abstand genommen, und so kam ein Dialog dieser Art zustande.)

Vorsitzender: Wir haben eine Grundsatzdiskussion über einen Hauptrahmen geführt. Lasst uns bis zum Abend einen Rahmen entwerfen. Es gibt Dokumente, ihr werdet sie bis zum Morgen lesen. Ich habe die Kongressdokumente und die Briefe gelesen – recht reif und ausgereift. Das übertrifft meine Erwartungen. Wenn auch die Verantwortlichen es für angebracht halten: Dass diese kurdische Angelegenheit über Barzani entwickelt worden ist, ist meiner Ansicht nach hinfällig. Es hängt von eurem Lösungsprojekt und eurer Planung ab. Was für ein Kurde, was für ein Kurdistan es sein wird. Ich habe von den Seldschuken gesprochen. Jetzt ist in Südkurdistan ein Kleinstaat entstanden. Die Frage ist jetzt, wie das mit der Türkei in Einklang gebracht und mit Integration verknüpft werden kann – das ist wichtig. Die Vereinbarung und der Gewinn in Syrien sind nicht nur für die Kurden, sondern mindestens ebenso sehr Gewinne für die Türkei. Man spricht von einem Korridor – das ist eine große Unmoral. Nicht nur für die Ökonomie des Imperialismus. Das gilt auch für die Völker. Sie können all ihre Bedürfnisse über die Türkei decken. Das und andere Dinge – soziale, kulturelle Beziehungen – können der Türkei Überlegenheit verschaffen. Es besteht eine tiefe kulturelle und historische Verbindung. Indem man daraus eine erstarrte Nationalstaatsgrenze macht, findet man keine Lösung. Der Imperialismus sieht darin die Lösung. Ich schlage eine demokratische Methode vor. Ich schlage eine ökonomische, politische und kulturelle Demokratisierung vor. Wir schlagen ein hervorragendes Regime vor. Mit den Grenzen habe ich kein Problem. Während Aserbaidschan und Zypern der Türkei einen gewissen Beitrag leisten, bietet der Korridor, von dem wir sprechen, das Tausendfache davon. Aus Schielsucht rechnen sie das nicht. Sie denken so: Würden diese hier nicht, sofern sie die Gelegenheit fänden, zu Waffen und Krieg greifen? Sie verbreiten Sorge und Lärm. Das sind Dummköpfe. Ich nenne mein eigenes Projekt ohnehin das Projekt der Neuordnung der kurdisch-türkischen Beziehungen. Ethnische, konfessionelle und andere Spaltungen sind bedeutungslos geworden. Ihre Epoche ist vorbei. Die Republik hat versucht zu homogenisieren und ist gescheitert. Große Staaten machen aus kulturellen Unterschieden nicht einmal ein Thema. Sie machen aus unterschiedlichen Kulturen nicht einmal ein Problem. Es gibt das Beispiel Schottland. Die Andersartigkeit der Kurden ist für die Türkei kein Bedrohungsgrund. Ein Volk, das den Staat mit einem Recht der Brüderlichkeit als seinen eigenen Staat betrachtet, rebelliert nicht. Die Geschichte zwingt uns das auf, sie gebietet es. Ein schielender Blick lässt einen verlieren. Diese Formel der Kurden ist keine Unterwerfung. Die Rede davon, bis zum Letzten gekämpft und bis zum Letzten gewonnen zu haben, ist eine Strategie des Verlierens. Keine revolutionäre Strategie. Entwickelt so viel Krieg und Konflikt, wie ihr wollt, nehmt meinetwegen den Taurus, Anatolien, Zentralanatolien ein. Was wird dann sein? Es wird ein Pyrrhussieg. Ein Ansatz, der immer nur verlieren wird, ist kein Ansatz. Wir geben das nicht auf, weil wir schwach oder ausweglos wären, sondern weil es falsch ist. Hat nicht auch der Staat Fehler gemacht? Ja, er hat große Fehler gemacht. Vom Falschen abzukehren ist ein Gewinn. Machen wir daraus keine Frage der Überlegenheit. Zumal sich der türkische Staat selbst als Nationalstaat geformt hat. Dazu haben wir kaum noch etwas zu sagen. Jetzt sagen sie, das in der Verfassung sei unveränderlich und so weiter. Das ist nicht meine Methode. Meine eigene Methode ist die Demokratische Gesellschaft. Dafür wird eine Definition erarbeitet werden. Wie sie in die Republik eingegliedert wird, darüber müssen wir sprechen. Wir sagen immer wieder, dieser oder jener Artikel solle geändert werden. Das ist keine richtige Methode. Der Nationalstaat ist eine Sackgasse. Gegen den Nationalstaat entsteht kein Nationalstaat. Das Ziel der Sozialisten kann nicht die Gründung eines Staates sein. Deshalb haben wir die PKK aufgelöst. Stattdessen haben wir vom Sozialismus der demokratischen Gesellschaft gesprochen. Meiner Ansicht nach ist das möglich. Meiner Ansicht nach ist das der Sozialismus selbst. Dieses Projekt verlangt sich gegenüber eine demokratische Republik. Es verlangt sich gegenüber einen demokratischen Staat. Ich habe von der demokratischen Nation gesprochen, das wurde nicht verstanden, deshalb spreche ich von der demokratischen Gesellschaft. Sie wird ihre eigene Organisierung sicherstellen. Das steht in der Erklärung. Auch in der Erklärung vom 27. Februar lesen wir es Artikel für Artikel. Die Frage der Kommune lässt sich nicht mit Waffen und dergleichen lösen. So frei wie ein Kapitalist ist, sein eigenes Unternehmen zu schützen, so sehr hat auch ein Sozialist das Recht, seine eigene Kommune zu schützen. Ich werde nicht Unternehmen, sondern Kommune sagen. Das kann eine Genossenschaft sein oder etwas anderes. Ich spreche von einer Ökonomie nicht für Profit, sondern zum Nutzen der Öffentlichkeit, zum Nutzen der Gesellschaft. Sie hat auch ihre Politik, sie hat auch ihre Kultur. Zum Beispiel könnte es die Kommune dieser Kultur und dergleichen geben. İbrahim Tatlıses hat ein kulturelles Musikimperium aufgebaut und nennt sich selbst ohnehin Imperator. Gibt es einen Imperator in der Kunst? Es gibt jetzt auch Kultur, Sport, Gesundheit, aber sie können nicht frei arbeiten. Dafür muss ein freier Boden geschaffen werden. Deshalb ist ein politischer Koordinator notwendig. Es wird besprochen, wie die Demokratisierungsgesetze dafür aussehen. Davutoğlu, Arınç, Mithat Hoca… es könnte auch jemand von der CHP kommen. Arınç sagt, er werde selbst gehen. Davutoğlu hat sich selbst vorgeschlagen. Lasst uns das wie vernünftige Menschen diskutieren, dann werden wir besprochen haben, wie wir es machen. Jetzt muss ich erklären, dass diese Republik auch der Staat der Kurden ist. Das kann ich tun. Nur ich kann es den Genossen erklären.

Funktionär: Arınç ist zu Selahattin Demirtaş gegangen und hat, kaum dass er dort ankam, Dinge gesagt, die er nie gesagt hatte, und alles durcheinandergebracht. Davutoğlu redet und sagt Dinge, die du nie gesagt hast. Er ist narzisstisch, aus einem macht er tausend, sogar du würdest staunen. Die Politiker machen die Dinge kompliziert. Es könnte Leute wie Sarp Kuray geben, aber er hat seine Gesundheit verloren. Sonst hätte er kommen können.

Vorsitzender: Manchmal muss man seinen Gegnern eine Chance geben. Ja, Sarp Kuray wäre sehr gut gewesen. Ich möchte mit Sarp und Beşikçi sprechen. Die Genossen sollen ihnen diesbezüglich meine Grüße übermitteln.

Funktionär: Beşikçi kann nicht kommen, aber Sarp vielleicht schon. Auch der Zustand von Frau Leyla ist nicht besonders gut.

D: Leyla Zana? Mit ihr gibt es kein Problem.

Funktionär: Ich meinte es im Sinne von gealtert.

funktionär: Außerdem gab es die türkischen Linksbewegungen und -organisationen, Herr Abdullah… Nach der Auflösung gibt es die HBDH, auch über deren Lage muss man sprechen.

Vorsitzender: Der Genosse Duran weiß es am besten. Werden sie sich unserer Lösung anschließen? Konntet ihr das diskutieren?

Abbas Ark: Manche lassen sich überzeugen, aber mit anderen müssen wir noch eine Diskussion führen. Wir konnten es noch nicht vollständig besprechen.

Vorsitzender: Die Demokratische Republik ist eine sozialistische Lösung. Es gibt das Beispiel der französischen Sozialisten. Ihre Losung lautet Demokratische Republik. Ohne demokratische Gesellschaft gibt es keinen Sozialismus. Der Sozialismus sitzt nicht an der Spitze der Waffe. Dass die Waffe ihre Zeit überlebt hat, mag schmerzlich erscheinen. Die Waffe ist ein Mittel der Politik. Wo es demokratische Politik gibt, kann es keine Waffe geben. Das ist falsch. Ich sage sogar: Aus dem Lauf der Waffe kommt kein Sozialismus, sondern nur Kapitalismus. Weder bei Marx noch bei Lenin gibt es diese Gewalt.

Abbas Ark: Ja, es kommt Kapitalismus und Staat dabei heraus.

Vorsitzender: Mit diesen muss man sprechen. Wir haben begonnen und legen die Waffen freiwillig nieder. Ihr müsst unsere Lage gut vermitteln. Ich habe meinen eigenen Stil, das wisst ihr. Kein Lebewesen kann fortbestehen, ohne seine Sicherheit zu gewährleisten. Sie verstehen die legitime Verteidigung falsch und verdrehen sie. Das Dasein hat drei Eigenschaften: Fortpflanzung, Ernährung und Sicherheit … Was die Sicherheit betrifft, besteht diese Verbindung meiner Ansicht nach sogar im Verhältnis von Energie und Materie. Schaut euch die Schlange an: Die eine verteidigt sich mit ihrem Stachel, die andere mit ihrem Gift. Auch die Verteidigung menschlicher Gemeinschaften ist Politik, es gibt Moral und Recht. Dort, wo es kein Recht und keine Politik gibt, tritt die Waffe in Kraft. Nehmen wir an, eine Macht kommt, erkennt kein Recht an, diskutiert nicht über Politik, sondern greift zur Waffe und versucht zu vernichten – dann tritt die Waffe in Kraft, das ist legitime Verteidigung. Genau das habe ich Sırrı diktiert, dem unsterblichen Sırrı. Er war ein kluger und weiser Genosse. Ich habe ihm einen Satz diktiert, der besagt, dass die Niederlegung der Waffen auf einer rechtlichen und politischen Grundlage beruht. Er hat ihn mit eigener Hand geschrieben. Lasst mich auch erklären, wie die Verfassung aussehen könnte: In der Verfassung kann es wie gehabt sensible Artikel geben. Aber wird es ein Zusatzartikel, oder verteilst du es über die ganze Verfassung … Befassen wir uns nicht mit den ersten vier Artikeln, aber am Ende gibt es ein Dasein, und das musst du in der Verfassung zum Ausdruck bringen. Entweder verteilst du es über die ganze Verfassung, oder du fügst einen Zusatzartikel hinzu. Die Definition der Staatsbürgerschaft ist die Beschreibung der Mitgliedschaft im Staat. Das Recht, Mitglied der Republik und des Staates zu sein, ist die Definition der Staatsbürgerschaft. Das Prinzip soll lauten: So wie jemand sagen kann, dies sei seine Religion, so soll er auch seine Nationalität und nationale Identität frei zum Ausdruck bringen können. Begeht also Helin eine Sünde, wenn sie sagt, ich bin Kurdin? Man darf nicht per gesetzlichem Zwang sagen, du bist Kurde oder Türke. Der Bürger soll das Recht haben, seine Religion, seine Identität und seine sozioökonomische Lage frei zum Ausdruck zu bringen. Lass den Rest frei, das soll der Bürger selbst regeln. Türkentum lässt sich ohnehin nicht erzwingen. Kann ich also einem Kurden aus Hakkâri mit Zwang sagen, sei Türke? So geht das nicht. Seit Jahren wird ein lautes und inhaltsleeres Streiten geführt. Diese Definitionen formen bis zum Ende die freie Republik und die demokratische Republik. Statt Zeter und Mordio zu schreien und von Spaltung zu reden, sollten sie wissen, dass dies der einzige Ausweg ist. Das werde ich auch Syrien vorschlagen. Wir stellen die Einheit des Staates nicht infrage. Das werde ich auch Şahin vorschlagen. Das gilt tatsächlich auch für den Iran und Syrien im Nahen Osten. Wird die Definition der Staatsbürgerschaft so korrigiert, sind die Probleme gelöst.

Beamter: Es gibt die Statuten von DBP und Hüda Par. Hüda Par tritt für Kurdistan ein. Aber sie werden nicht verhaftet. Solange es keine Waffen gibt. Die Waffe ist das Problem. Die Propheten haben sich nicht durch den Gebrauch von Waffen verbreitet, sondern indem sie die Herzen eroberten.

Vorsitzender: Früher war es schon strafbar, überhaupt Kurde zu sagen.

Beamter: Das war früher so. Vieles wurde inzwischen korrigiert.

Abbas Ark: Es gibt ein Problem in der Definition von Artikel 66. Er besagt, jeder, der durch das Staatsbürgerschaftsband mit der Republik Türkei verbunden ist, sei Türke. Ist man dann, wenn man kein Staatsbürger ist, kein Türke? Gab es das Türkentum nicht schon davor?

Beamter: Sehen Sie, auch die Türken haben ihre Probleme.

Vorsitzender: Auf die Macht des Staates gestützt lässt sich kein Sozialismus errichten. Wer den Sozialismus gestützt auf den Staat verteidigt, macht daraus ein China. In China herrschen unter dem Namen Kommunismus Faschismus und Sklaverei. Man lässt die Menschen in einem Sklavensystem arbeiten. Man lässt sie wie die Pharaonen Pyramiden bauen und behauptet, es gebe Sozialismus. Sozialismus lässt sich nicht erzwingen. Der Kapitalismus hat alles vergiftet. Wenn man es richtig erklärt, kennt jeder die Gefahr. Der Kapitalismus ist hochtoxisch. Sozialismus entsteht nicht durch Zwang. Man baut sein eigenes System gegen den Kapitalismus auf. Und der Kapitalismus sagt seinerseits: Zwingt uns nicht, Sozialisten zu werden.

Um ein guter Sozialist zu sein, muss man sich den Kampf gegen die Versklavung der Frau zum Prinzip machen. Die Lösung ist der freie Bürger. Wie willst du mit einer Frau, die du in Sklaverei belässt, gleichgestellt sein? Jeden Tag Mord und Unterdrückung … Die Frau muss sich selbst befreien. Weil mir dieses Thema am Herzen liegt, wiederhole ich es: Er sagt, ich bin verliebt und zwinge sie, und stößt ihr den Dolch hinein. Die Tötung einer Frau ist etwas Furchtbares. Der Weg, das zu beheben, führt über Demokratie und Freiheit. Ist die Tötung einer Frau normal? Man schwankt zwischen Strafe und Todesstrafe. Ihr habt den Fall Narin gesehen. Die Familie Güran – sie stammen von Molla Gurani ab – Mutter, Sohn, Onkel: In welche Lage sind sie geraten? In Diyarbakır ist die Gesellschaft aus den Fugen geraten. Auf dem Sozialismus zu beharren heißt, darauf zu beharren, Mensch zu sein. Wie schwer Persönlichkeitswandel doch ist.

Waffengebrauch ist Sünde. Das kleinste demokratische Recht und die kleinste demokratische Möglichkeit sind tausend Waffen wert. Ihr müsst die Möglichkeiten und Mittel schaffen, um die PKK aus der Rolle eines Gewaltinstruments herauszuführen. In der Türkei lässt sich ein politischer Koordinator finden. Es gibt kluge Menschen. Es gibt sogar Militärs. Selbst jene, die gegen uns gekämpft haben, wollen Frieden. Wenn ihr an einer Lösung interessiert seid, dann soll das aus Bedarf geschehen, nicht aus Schwäche. Ich muss dies der Gesellschaft mitteilen können. Ihr müsst dafür die Möglichkeiten und Mittel schaffen.

Beamter: Es finden Aktionen statt. Jede Nacht werden Molotowcocktails geworfen. Das Syrien-Thema wird als Vorwand genutzt. In Diyarbakır wurde ein selbstgebauter Sprengsatz gezündet. Wie soll das Parlament angesichts dessen jetzt Gesetze verabschieden? Solche Vorfälle werden es erschweren.

Sabri Ark: Denkt ein Staat, der versucht, ein derart tief verwurzeltes Problem zu lösen, an so etwas? Zeigt ein wenig Empathie.

Beamter: Ich zeige in dieser Sache durchaus Empathie. Warum wirft man Molotowcocktails auf die Polizei? Ich finde dafür keinen Grund. Ich spreche vom Parlament. Vergesst bitte auch Müsavat und Ümit Özdağ nicht.

Vorsitzender: Wir müssen dem eine Form geben. Es gibt Seiten, die sich gegenseitig provozieren. Ihr müsst mir Verantwortung übertragen. Sonst hängt mir die Trommel um den Hals, während der Schlegel in fremder Hand liegt. So geht das nicht.

Abbas Ark: Ein Kader, der durch Krieg und Waffen geprägt wurde, lässt sich nicht leicht verändern. Er sagt, ich habe mich verändert, doch seine Arbeitsweise kehrt sofort wieder zum Alten zurück.

Vorsitzender: Genau deshalb spreche ich von Rehabilitation. Manchmal sage ich, diese Genossen sollten sich nicht sofort unter die Gesellschaft mischen, sondern ein Jahr lang eine innere Sammlung durchlaufen. Wir müssen uns dieser Sache annehmen. Das sage ich auch mit Blick auf jene, die schon seit 30 Jahren dabei sind. Sie sollten nicht sofort unter die Leute treten.

Abbas Ark: Das können wir niemals allein schaffen. Unsere Kraft reicht nicht aus. Das kann nur die Führung leisten.

Beamter: Sie sagen, sie würden eine dreiköpfige Kommune gründen.

Vorsitzender: Es ist klar, dass sie sich von mir inspirieren lassen wollen. Das muss ich selbst tun. Ihre Kraft reicht nicht aus. Selbst wenn sie wollten, könnten sie es nicht. Seht, wenn es in Syrien nicht jemanden wie Şahin gäbe, der mir verbunden ist, würde die Sache sehr schlecht ausgehen. Zum Glück ist er mir verbunden und vor Ort. Mein Eingreifen wird von entscheidender Bedeutung sein. Sprecht noch einmal mit Herrn İ., warum ich organisieren muss, das belegen auch diese Angaben. Für Talabani und Barzani steht der Weg offen. Ich habe ihnen einen gewaltigen kurdischen Raum eröffnet. Wir müssen sie so rasch wie möglich mit einem demokratischen Band um die Republik Türkei versammeln. Andere Mächte haben die Witterung aufgenommen und sich eingenistet. Auch sie lauern auf die Gelegenheit. Sie müssen sich zusammenschließen.

Beamter: Sind Barzani und Talabani überhaupt Kurden? Wir schaffen es ja nicht einmal, die Turkrepubliken zusammenzubringen. Sie haben sich nicht einmal gegen Saddams Tyrannei zusammengeschlossen – wie sollen wir sie zusammenbringen?

Vorsitzender: Genau deshalb spreche ich von der Demokratisierung der Republik. Man wird Bürger der demokratischen Republik sein. Die Definition der Staatsbürgerschaft hängt mit dem freien Bürgertum zusammen. Das erste Buch, das Mustafa Kemal geschrieben hat, ist Bürgerbewusstsein. Er hat es nicht ohne Grund geschrieben. Man hat Verirrungen geschaffen. Meine Auflehnung richtet sich gegen genau diese Verirrungen.

Beamter: Während des Prozesses vom 28. Februar habe ich selbst kein Unrecht erlitten, aber man hat, mit der Behauptung, die Scharia werde kommen, für Kopftuchträgerinnen sogenannte „Überzeugungszimmer" eingerichtet. Aber seht, so ist es nicht gekommen. Das Kopftuch war in der Türkei verboten, doch jetzt gibt es eine Ministerin mit Kopftuch. Wir haben Kolleginnen und Kollegen. In zehn Jahren werden wir vielleicht gar nicht mehr über das diskutieren, worüber wir jetzt reden. Unsere Kinder werden das noch erleben. Wenn ich meinem Kind eine Rassendefinition erkläre, versteht es das nicht, es fragt, welcher Unterschied das mache. So einer Welt gehen wir entgegen. So sollte man es eigentlich in Ordnung bringen.

Vorsitzender: Im Nahen Osten läuft wegen der Konfessionen ein furchtbares Gemetzel ab. Die Demokratische Republik zieht dafür den weitesten Rahmen. Sie reicht für alle aus. Die Sozialisten neigen zu kleinen Kleinstaaten. Sie sehen die Lösung darin, dass jeder seinen eigenen Staat gründet. Ein solches Prinzip gibt es nicht. Bei Stalin gibt es vier Lösungen. Wir haben eine davon übernommen und als absolutes Prinzip festgelegt. Das ist die demokratische Nation. Erstens: Sie zwingt niemanden zur Nationalisierung. Zweitens: Sie rührt die Grenzen nicht an. Drittens: Jeder wählt sein sozioökonomisches System selbst. Wir sagten, wenn wir keinen Staat gründen können, können wir keine Sozialisten sein. Das war unser Fehler. Um einen Staat zu gründen, braucht es Krieg, und dafür muss man furchtbare Dinge tun.

Abbas Ark: Vorsitzender, in dieser Frage hat sich unsere Denkweise in hohem Maße verändert.

Vorsitzender: Sonst wird daraus ein Pharaonen-Sozialismus. China und die anderen können so nicht bestehen bleiben. Bevölkerungspolitik, Klima und Ökologie sind ein ernstes Problem. Weder der Boden noch das, was darunter liegt, wurde verschont. Sie verwandeln die Welt in eine Müllhalde. Die profitorientierte Ausbeutung wird den kommenden Generationen kein Leben mehr lassen. Die Welt wird in eine Müllhalde verwandelt. Der Weltraum wird in eine Satellitenmüllhalde verwandelt. Schaut euch dieses schicke Wasser hier an. Allein die Plastikflasche kostet doppelt so viel wie das Wasser darin. Aber genau damit machen sie Profit. In naher Zukunft werden sie uns wahrscheinlich allen einen Schlauch anlegen, und wer aus diesem Schlauch keine Luft zieht, wird nicht überleben können. Jedem von uns ein angeklebter Schlauch. Deshalb ist der Sozialismus notwendig. Helin ist eine waschechte türkische Sozialistin, von Kopf bis Fuß. So hat sie 25 Jahre durchgehalten.

Helin: Dank Ihnen, Vorsitzender.

Vorsitzender: Nein, ich könnte euer Leben ganz gewiss nicht ertragen. Auch wie Genosse Duran könnte ich es unmöglich aushalten.

Helin: Wir haben gelebt, indem wir Kraft von Ihnen geschöpft haben, Vorsitzender.

Vorsitzender: Du solltest Mitleid mit dir selbst haben, Duran. Sozialisten dürfen nicht engstirnig und dogmatisch sein. Das Problem liegt in der Umsetzung des Sozialismus.

Beamter: Wo sind die Sozialisten? Wo sind die idealsten von ihnen auf der Welt? Das würde mich interessieren.

Vorsitzender: Du denkst also, deiner Meinung nach ist der Sozialismus sinnlos, nicht wahr?

Verantwortlicher: Nein, ich bin nur neugierig.

Helin: Wenn Sie die Türkei meinen, es gibt uns. Wir erheben also den Anspruch, den Sozialismus zu vertreten.

Vorsitzender: Von Russland bis zu anderen Ländern gibt es nukleare Aufrüstung. Wenn diese explodieren und sich ausbreiten, sterben selbst in der Türkei Millionen. Deshalb sage ich, der Sozialismus ist notwendig. Wir wissen, wohin die Welt steuert. Wenn das Ende der Menschheit kommt, sollt ihr nicht fragen müssen, wo die Sozialisten waren. Ich sehe die demokratische Option als unverzichtbaren Bestandteil der Republik. Wir werden der Türkei die sozialistische Ader zurückgeben. Ich treffe diese Wahl bewusst. Es gibt nichts, das so wertvoll ist wie die freie Frau, aber ich gestehe, dass ich vor euch fliehe.

Helin: Vorsitzender, auch als Sie bei uns waren, haben Sie sich mit uns auseinandergesetzt.

Vorsitzender: Du siehst das Grauen, nicht wahr? Wie soll man jeden Tag mit den Schlägen eines Mannes leben? Sobald ein Mann die Herrschaft übernimmt, kannst du keine 24 Stunden überleben. Der Frau gegenüber herrscht eine schreckliche Respektlosigkeit. Früher gab es Respekt. Mit der Entwicklung des Kapitalismus ist auch der verschwunden. Ich habe 95 das Buch 'Den Mann töten' geschrieben. Jetzt denke ich daran, auch das Buch 'Die Hure töten' zu schreiben. Man muss auch über die erniedrigte und geschwächte Frau schreiben. Ich vertiefe mich darin, und meine einzige Sorge ist, wie ihr lebt.

Helin: Ein Aufbruch des weiblichen Kommunalismus ist in der Türkei dringend nötig. In der Türkei herrscht ein schrecklicher Sexismus.

Verantwortlicher: Ich habe einen Vorschlag. Die DEM-Partei soll einen Antrag einbringen. Es wird sich herausstellen, dass Frauen mehr Männer töten.

Helin: Solche Dinge wurden geschrieben. Aber das stimmt nicht. Man sollte so nicht diskutieren.

Vorsitzender: Ihr kennt die Sache mit der heiligen Hochzeit. Ich werde das anhand des Gilgamesch-Epos erklären. Zunächst heiratet er die Göttin und lässt sich im Tempel nieder. Doch später tötet ihn die Göttin. Enki sagt, er werde ihm für die 104 Me seine Werte nehmen. Dass der Mann, der in der Inanna-Kultur die heilige Hochzeit vollzieht, am folgenden Tag geopfert wird, zeigt, dass die Frau von ihrer Freiheit keine Abstriche gemacht hat. Sie wurde nicht so leicht aufgegeben. Im Enuma-Elisch-Epos wird die Frau schließlich in 40 Teile zerteilt. Die Sumerer sind eine interessante Gesellschaft. Als es zur babylonischen Gesellschaft kommt, ist die Frau am Ende. Aber in Uruk besitzt die Frau noch immer Macht. Sie widersteht den Gesetzen Hammurabis. Mit ihrer besonderen wie auch allgemeinen Lage lebt die Frau bis heute in diesem Verlust. Sobald der Mann die Herrschaft übernimmt, verwandelt er den Tempel in ein Bordell. Wie hieß es noch? Musakadim. Dieser Zustand der Erniedrigung hat euch bis in die Gegenwart gebracht.

Helin: Als Gilgamesch Inanna verfolgt, beleidigt er sie. Zuerst habe ich das nicht verstanden — warum er die Göttin beleidigt.

Vorsitzender: Das eben ist der Kampf um die Macht. Über 30.000 Jahre entsteht diese Kultur. Im Jägerclan erringt der männliche Jäger die Überlegenheit der Waffen. Mit der Obsidianwaffe verübt er einen furchtbaren Angriff. Sobald der jagende Mann die Waffenüberlegenheit erlangt, macht er die Frau zu hundert Prozent zu seinem Eigentum. Von diesem Zeitpunkt an verliert die Frau. Der jagende Mann geht mit seiner Waffenüberlegenheit zum Überfall über. Auch die Überlegenheit der USA ist eine Waffenüberlegenheit. Wie bei Trump. Ihr seht, wie ein richtiger Mann, ein richtiger Kerl spricht. Er sagt, die Macht liegt bei mir. Die Epstein-Akten kommen immer weiter ans Licht. Genau dieser Zustand hält seit jener Zeit an. In Göbekli Tepe wird die Frau zu hundert Prozent zu Eigentum gemacht.

Helin: Danach findet eine neolithische Revolution statt.

Vorsitzender: Das ist eine falsche Interpretation. Sie steht im Zusammenhang mit der neolithischen Versklavung. Sie ist Ausdruck der Herrschaft des Mannes.

Helin: In Göbekli Tepe sind ihre Symbole sehr verbreitet. Auch in dieser Epoche gibt es Figuren weiblicher Gottheiten.

Vorsitzender: Die Revolution vollzieht sich nicht überall im gleichen Tempo. Die Kultur der herrschenden Priesterschaft ist von Göbekli Tepe bis nach Thrakien verbreitet. Die matriarchale und die Göttinnenkultur waren eine Epoche. Sie hat Sprache und Kultur geschaffen. Sie hat die Benennung der Pflanzen geschaffen. Der neolithische Umbruch beginnt mit der Versklavung der Frau. Dem Frauenmord liegt Folgendes zugrunde: Der Frau wird mit einem Ehrbegriff begegnet. Selbst heute noch muss die Frau in Urfa einem Mann gehören. Was immer ich tue, ich tue es, weil die Frau mir gehört. Ich habe das Recht zu töten. Das ist die unterworfene Frau. Das ist keine genetische oder physische, sondern eine kulturelle Angelegenheit.

Abbas Ark: Gab es im Neolithikum eine Phase ununterbrochenen Kampfes?

Vorsitzender: Schaut, in Urfa wurden Steine von etlichen Tonnen aufgerichtet. Um sie errichten zu können, braucht es eine große Zahl an Sklaven. Ohne Sklaven lässt sich das dort nicht bauen. Schon das macht die Sache verständlich. Das, was wir Männlichkeit nennen, ist kulturell. Es gibt ja den Satz von Simone de Beauvoir: 'Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.' Auch ich sage: Man wird nicht als Sozialist geboren, man wird es. Man wird nicht dadurch frei, dass man sagt, wir seien freie Frauen geworden. Wie soll das weibliche Geschlecht sich befreien? In der Türkei herrscht eine Schminkkultur.

Helin: Meine Beobachtung zu den Männern ist folgende: Sie sind wie übermäßig aufgeblasene Luftballons.

Vorsitzender: Eben, die Ballon-Persönlichkeit. War es nicht Genosse Abbas, der gesagt hat, wenn man den Ballon zum Platzen bringt, bleibt nichts von uns übrig?

Vorsitzender: Die Frau kann ohne Ethik nicht leben. Moral entsteht aus Prinzipien. Die ersten Wörter wurden von der Frau erfunden. Das hängt mit dem Schutz des Kindes zusammen. Notwendigerweise legt die Frau das Fundament der Menschheit. Sie entwickelt eine Mentalität. Der bewaffnete Mann tritt auf den Plan. Wie Trump posaunt er herum, mit Obsidian tötet er Tiere und Menschen. Sie haben ein Monopol errichtet. Der jagende Mann erschießt die Frau. Die Kinder des mütterlichen Onkels werden entmachtet. Es entsteht ein absolutes Monopol. Kastik Katil sagt, wir hätten alles erschaffen. Schau dir die Sumerer an, schau dir die Pyramiden an. Die Könige sind zugleich Götter. Man gräbt das Grab des Königs aus, Hunderte Menschen wurden mit ihm lebendig begraben. Mit seinem Wagen und seinen Besitztümern. Auch in Indien wird die Frau, wenn ihr Ehemann stirbt, mit dessen Leiche lebendig verbrannt. Das ist die Sati-Kultur. Die Frau ist davon überzeugt worden. Mit jedem sterbenden Mann wird sein Gefolge lebendig begraben. Wie tief die Versklavung der Frau ist, die in diesen Zustand gebracht wurde, zeigt eben das.

Ohne es weiter auszuführen, will ich Folgendes sagen: Ich habe mich viel mit Frauen befasst. Helin erinnert sich daran. Ich habe lange Zeit Arbeit geleistet. Ich habe mit jungen Frauen gearbeitet. Für mich ist das ein Grund zum Mut. Man sagte über mich, ich hätte einen Harem gegründet. Da wir gerade dabei sind: Genosse Duran, über dich wurden in der türkischen Presse üble Artikel geschrieben. Süleyman Soylu hat harte Urteile gefällt. Ich wollte daran erinnern. Man muss vorsichtig sein. Er sagte, auch du hättest einen Harem.

Helin: Vorsitzender, über Ihre Arbeit mit Frauen wurde viel geurteilt. Man hat regelrecht versucht, Manipulationen zu betreiben.

Vorsitzender: Eben deshalb muss man vorsichtig sein. Wird das nicht beachtet, entwickelt sich eine andere Art von Herangehensweise. Aber in dieser Frage bin ich entschlossen. Diese Arbeit ist nur möglich, indem man die nötige Kultur entwickelt. Man muss ethische Regeln aufstellen. Der Mann darf die Frau nicht mit brutaler Gewalt erobern. Ohnehin ist schon der Begriff des Erwerbs ein problematischer Begriff. Nur eine Ware kann erworben werden. Ich habe von der 'Königin der Waren' gesprochen, aber die Frau kann sowohl Königin der Gesellschaft als auch Königin der Waren sein. Man darf nicht doppelzüngig sein. Ich sage nicht, dass man sich nicht verlieben darf. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Sie teilen Güter und Geld untereinander auf. Doch was wollt ihr mit der Frau machen? Auch die Lage der Frau liegt offen zutage. Wie soll das gehen, ohne die Frau zu befreien? Richtet auf dieser Grundlage meine Grüße aus.

Helin: Am Abend des 9. Oktober war ich eine von denen, die Sie verabschiedet haben. Sie sagten mir, Sie würden mich rufen. Es gab die Genossin Jinda Mardin. Sie ist immer noch dabei. Die Historikerin.

Vorsitzender: Diese Suche dauert also noch an. Es gibt einen freien Frauenwillen, der über den Feminismus hinausgeht. Entwickelt euch mit eurem eigenen Willen weiter. Die alte kommunale Gesellschaft muss erneuert werden. Ihr müsst eure Kultur der Muttergöttin weiterentwickeln. Dass Kriege ein solches Ausmaß annehmen, hängt mit der Versklavung der Frau zusammen. Der Weg zur Beseitigung der Gewalt hängt davon ab. Ethisch ist Folgendes: Eine Frau kann nicht mit brutaler Gewalt erobert werden. Doch eine Frau muss auch verstehen, dass sie wertvoll ist. Ich habe von der Königin der Waren gesprochen, das Gegenteil kann ebenso gelten. Sie kann auch die Königin, die Göttin der Menschen sein. Also nicht Gott, sondern Göttin. Nicht König, sondern Königin.

Helin: Es gibt Forschungen auf der Grundlage der Jineologie.

Vorsitzender: Ich sage nicht, dass man die Frau nicht lieben darf. Ich spreche von der Konkretisierung eines Prinzips. Mit der Frau lebt man richtig — alle halten mich für verrückt, aber es ist gut, dass ich das so gemacht habe. Wir sagen ja Jin Jiyan Azadî als die grundlegende Lebensquelle der Frau. Richtet auf dieser Grundlage meine Grüße aus…

Vorsitzender: Ich habe 27 Jahre lang Geduld gehabt. Deshalb urteile ich natürlich streng. Aber ich stimme zu.

Verantwortlicher: Wenn sich der Prozess konsolidiert, werden wir uns auf einen positiven Revolutionsbegriff konzentrieren.

Vorsitzender: Die positive Revolution muss ebenso konstruktiv wie destruktiv sein. Man muss eine Alternative aufzeigen. Alles andere bedeutet, sogar hinter dem Anarchismus zurückzubleiben. Bei der türkischen Linken denkt man sofort an Zerstörung.

Vorsitzender: Die Genossen sollen sich ausruhen. Sie sollen sich das Gesicht waschen. Stellt ein paar Fragen. Ich habe jetzt einseitig erzählt, jetzt bereichert ihr das Ganze mit Fragen. Außerdem ist dies auf İmralı die zweite Konferenz. Auch für das Manifest hatten wir eine Konferenz abgehalten. Zur Vorbereitung halten wir jetzt diese kleine Konferenz ab. Diese Mini-Konferenz wird einen Beitrag zur Neustrukturierung leisten. Ihr werdet eure Gedanken vortragen.

Vorsitzender: Haben die Genossen D und T etwas zu Syrien mitzuteilen, ganz kurz?

D: Wir haben in Kamişlo ein Treffen abgehalten. Es verlief positiv. Ein Abkommen wurde unterzeichnet. Es fand auch Niederschlag in der Presse. Wir möchten später den Bericht dazu vorlegen.

T: Kurz lässt sich Folgendes sagen: Es verlief positiv. Vor dem Treffen hatten beide Seiten bereits mit Damaskus verhandelt. Die unterzeichnete Vereinbarung entsprach dem von Ihnen vorgegebenen Rahmen. Der Flughafen Kamişlo und der Grenzübergang Nusaybin sollen geöffnet werden. Es wird Rückkehrer nach Afrin und Serêkaniyê geben. Die Sicherheitsbedenken der Türkei traten in den Vordergrund. Insbesondere hinsichtlich der Amanos-Berge wurden Bedenken geäußert. Doch die Vereinbarung war Ihrem Rahmen nahe.

Vorsitzender: Wenn sie kommen, gibt es einige grundlegende Prinzipien. Zwei grundlegende Prinzipien sind wichtig. Ich hatte die Artikel vorgeschlagen, die bei der Ausarbeitung der Verfassung zugrunde gelegt werden sollen.

T: Die im Namen der Türkei angereiste Delegation hat zu Ihren Vorschlägen folgende Idee eingebracht: Die SDF (Syrische Demokratische Kräfte) sollten im Ausschuss zur Ausarbeitung der Verfassung vertreten sein.

Vorsitzender: Das ist natürlich wichtig. Von den Erdölarbeitern soll die eine Hälfte aus dem Zentrum, die andere Hälfte aus den Einheimischen stammen. Sie werden sich vereinigen. Die zentrale Autorität wird die Macht mit der lokalen Autorität teilen. Es soll fünfzig zu fünfzig Prozent sein. So wird auch das Problem des Ko-Vorsitzes bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen. Das Zentrum wird über das Lokale herrschen, und zugleich wird das Lokale Präsenz zeigen. Beide werden sich gegenseitig kontrollieren. Europa hat das teilweise überwunden. Das Richtige ist, dass das Lokale die Macht des Zentrums ausgleicht. Das soll mehr als fünfzig Prozent sein.

Abbas Ark: Es kam zur Sprache, dass die in Syrien befindlichen, nicht aus Rojava stammenden Kader herausgezogen werden sollen. Unserer Ansicht nach sollte das aber nicht so sein, dass einfach alle herausgehen. Es gibt Kranke, Alte und Kriegsveteranen. Wie sollen wir diese von dort wegholen und auf den Berg bringen? Um diese muss man sich kümmern.

Vorsitzender: So geht es ohnehin nicht. Wer sich in der Kommandoebene befindet, wird zu euch dorthin kommen. Die anderen sollen dort bleiben.

Diese Arbeit in diesem Tempo haben wir zusammen mit dem Genossen Hayri begonnen. Von diesem Tempo gab es bis heute nicht die geringste Abweichung. Dieser Tisch ist das Ergebnis von 27 Jahren Geduld. Wir haben den Galgen beseitigt und diesen Tisch errichtet. Das haben wir zum ersten Mal geschafft. 1984 haben wir die Hinrichtungen gestoppt. Jetzt haben wir den Tisch errichtet. Das ist die Hälfte der Sache. Am Ursprung der kurdischen Geschichte standen immer die Galgen.

Die heutige Bedeutung der Geschichte wird von Tag zu Tag deutlicher. Man muss ihren Wert erkennen. Diese Institution ist es, die uns am nächsten spricht. Nehmt diese Dokumente und lest sie heute Abend. Macht euch sogar Notizen. Meiner Meinung nach sollen sie nun auch ein Exemplar davon mitnehmen.

Verantwortlicher: Sie sollen es heute Abend nehmen, morgen holen wir es wieder ein. Dazu haben wir keine Befugnis.

In den während der Nacht übergebenen Dokumenten befanden sich ein Abschnitt des Integrationsdokuments sowie weitere verfasste Notizen, die verlesen wurden. Die erforderlichen Notizen wurden aufgenommen.

TEILEN

Kommentare

Kommentar schreiben

WEITERLESEN

    Gesprächsnotizen zwischen Öcalan und der Kandil-Delegation: Zweiter Teil — Rastinews