Kurdische Parteien rufen zum Generalstreik am vierten Jahrestag von Jîna Emînîs Tod auf
Das Bündnis der politischen Kräfte Kurdistans-Iran (Hevpeymaniya Hêzên Siyasî yên Kurdistana Îranê) hat für Mittwoch, den 16. September, den vierten Jahrestag des Todes von Jîna Emînî, zu einem Generalstreik in Rojhilat aufgerufen.

RastinewsDas Bündnis der politischen Kräfte Kurdistans-Iran rief die Bevölkerung Rojhilats in einer Erklärung dazu auf, sich am Mittwoch, dem 16. September, an einem Generalstreik zu beteiligen. Der Termin fällt mit dem vierten Jahrestag des Todes von Jîna Emînî und dem Beginn des Aufstands „Jin Jiyan Azadî“ zusammen.
Das Bündnis forderte die Bevölkerung auf, Geschäfte und Basare zu schließen und die Aktion durch das Verbleiben zu Hause zu unterstützen. Zugleich rief es politische Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen und weitere Gruppen dazu auf, sich dem Aufruf anzuschließen.
Begründung: wachsender Druck und Hinrichtungen
Als Gründe für den Aufruf nannte das Bündnis den zunehmenden wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Druck, die anhaltenden Festnahmen politischer und zivilgesellschaftlicher Aktivisten sowie den drastischen Anstieg der Hinrichtungen.
In der Erklärung hieß es, der Generalstreik diene nicht allein dem Gedenken an die im Zuge des Aufstands „Jin Jiyan Azadî“ ums Leben Gekommenen, sondern sei zugleich eine friedliche Form zivilen Protests, die zeige, dass die politischen und nationalen Forderungen des kurdischen Volkes fortbestünden.
Bündnis im Februar gegründet
Das Bündnis der politischen Kräfte Kurdistans-Iran (Hawpeymanî) wurde am 22. Februar 2026 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählen die Demokratische Partei Kurdistans-Iran (PDKÎ/KDPI), die Kurdistan-Freiheitspartei (PAK), die Partei für ein Freies Leben in Kurdistan (PJAK), die Kurdistan-Kampforganisation (Xebat) sowie die Kürdistan Emekçileri Komelesi. Einigen Angaben zufolge schloss sich später auch die von Abdullah Mihtedî geführte Komele-Partei dem Bündnis an, womit sich die Zahl der beteiligten Parteien auf sechs erhöhte.
Die überwiegend im Exil in Başûr (Region Kurdistan im Irak) ansässigen Parteien hatten sich zusammengeschlossen, um ihr politisches – zeitweise auch militärisches – Vorgehen gegen die Islamische Republik Iran zu koordinieren und das Selbstbestimmungsrecht der Kurden Rojhilats zu vertreten.
Emînîs Tod löste vor vier Jahren den Aufstand aus
Die 22-jährige Jîna Mahsa Emînî war am 16. September 2022 in Teheran von der Sittenpolizei wegen angeblichen Verstoßes gegen die Kopftuchvorschriften festgenommen worden und starb daraufhin im Krankenhaus. Später bekannt gewordene Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass Emînî einen Schlag gegen den Kopf erlitten hatte.
Ihr Tod löste unter der Losung „Jin Jiyan Azadî“ einen Aufstand aus, der sich über ganz Iran ausbreitete und dessen Zentrum in den kurdischen Gebieten lag. Die Nachrichtenagentur der Menschenrechtsaktivisten (HRANA) erklärte, landesweit seien 473 Demonstrierende ums Leben gekommen, darunter 64 Kinder.
Auch am ersten, zweiten und dritten Jahrestag ihres Todes hatten Händler in den Städten Rojhilats gestreikt; die iranischen Sicherheitskräfte versuchten jedes Mal, die Streiks durch massiven Einsatz von Militär und Geheimdienstkräften in der Region zu verhindern. Am dritten Jahrestag kam in einer Goldmine bei Saqqez ein Landwirt ums Leben, nachdem Sicherheitskräfte auf Dorfbewohner geschossen hatten.
