München: Polizist hält Spielzeugpistole für echt und schießt auf 14-Jährigen

RastinewsIn München hat die Polizei auf einen 14-jährigen kurdischen Flüchtlingsjungen geschossen.
Im Münchner Stadtteil Schwabing hat ein Polizist auf einen 14-jährigen kurdischen Jungen geschossen, weil er dessen Airsoft-Pistole für eine echte Waffe hielt. Der schwer verletzte Junge wurde im Krankenhaus operiert; sein Gesundheitszustand sei stabil, hieß es.
Die Familie des Jungen, die vor drei Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen war und Asyl beantragt hatte, widerspricht der offiziellen Darstellung der Polizei. Ihren Angaben zufolge wurde auf den Jungen geschossen, obwohl er „Das ist Spielzeug“ gerufen und die Waffe weggeworfen hatte.
Das Kurdische Zentrum München bestätigt die Darstellung der Familie. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen; geprüft wird, ob der Schusswaffeneinsatz der Polizei rechtmäßig war.
Der Vorfall ereignete sich am Dienstag im Münchner Stadtteil Schwabing. Ersten Medienberichten zufolge hatte die Polizei auf eine etwa 20 Jahre alte bewaffnete Person geschossen.
Im Laufe des Abends stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei der schwer verletzten Person, die im Krankenhaus operiert wurde, um einen 14-jährigen türkischen Staatsangehörigen handelte. Die Waffe, mit der er auf der Straße hantiert hatte, wurde als „Gegenstand mit dem Erscheinungsbild einer echten Pistole“ beschrieben.
Nach jüngsten Berichten deutscher Medien handelte es sich bei dem Gegenstand, den die Polizei in ihrer offiziellen Mitteilung als „einer echten Pistole ähnelndes Objekt“ bezeichnet hatte, tatsächlich um eine Spielzeugwaffe.
Solche Waffen, die optisch und vom Gewicht her täuschend echt wirken und beim Airsoft-Spiel mit 6-Millimeter-Plastikkugeln verwendet werden, werden als „Airsoft-Waffen“ bezeichnet.
Warum der 14-Jährige mit der täuschend echt wirkenden Spielzeugwaffe auf der Straße unterwegs war, ist bislang ungeklärt. Auffällig sind zudem der Schuss in den Oberkörper des Jugendlichen sowie die widersprüchlichen Angaben von Polizei und Familie zum Hergang.
Was sagt die Polizei?
Laut einem Polizeisprecher hatte am Dienstag gegen 17:15 Uhr ein Anwohner in der Nähe der Haltestelle Hohenzollernplatz die Polizei alarmiert und gemeldet, eine Person sei mit einer Waffe in der Hand unterwegs gewesen und anschließend in einen Bus in Richtung Kurfürstenplatz gestiegen.
Nach diesem Hinweis sei die Polizei mit 80 Einsatzkräften ausgerückt, um die verdächtige Person zu fassen; zwei Zivilbeamte hätten sie schließlich ausfindig gemacht, so der Sprecher.
Die Beamten hätten den Verdächtigen, der in Begleitung eines Mädchens unterwegs war, zum Stehenbleiben aufgefordert. Dabei habe dieser „einen waffenähnlichen Gegenstand“ aus der Hose gezogen und Bewegungen gemacht, „als würde er eine Waffe laden“. Trotz der Aufforderung, die Waffe fallen zu lassen, habe sich der Verdächtige „mit erhobener Waffe zu den beiden Beamten umgedreht“; da die Waffe auf sie gerichtet gewesen sei, habe einer der Polizisten das Feuer eröffnet.
Das Abzeichen auf der Uniform der bayerischen Polizei.
Die bayerische Polizei erklärte zu dem Vorfall, der schießende Beamte habe die Waffe des Jugendlichen für echt gehalten. Foto: picture-alliance/S. Simon
Laut offizieller Mitteilung der Polizei leisteten die Beamten dem Jungen Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst eintraf. Der von den eingetroffenen Sanitätern schwer verletzt ins Krankenhaus gebrachte Jugendliche wurde dort operiert. Sein Gesundheitszustand sei laut Mitteilung stabil.
Familie widerspricht der Polizeidarstellung
Die Familie des Jungen und das Kurdische Zentrum München erklären, die Darstellung der Polizei zum Tathergang entspreche nicht der Wahrheit.
Gegenüber deutschen Medien erklärte die Familie, der Junge habe mehrfach „Das ist eine Spielzeugpistole“ gerufen und die Waffe weggeworfen – dennoch habe die Polizei geschossen.
Der Familie zufolge habe die Polizei dem schwer verletzten Jungen sogar mit dem Fuß auf den Oberkörper getreten, ihn beleidigt und ihm Handschellen angelegt.
Die Handschellen seien laut Familie erst auf Verlangen der eingetroffenen Rettungssanitäter wieder entfernt worden.
Wer ist der türkische Staatsangehörige?
Nach Angaben der Polizei ist der schwer verletzte 14-Jährige der Sohn einer Familie, die vor drei Jahren aus der Türkei nach Deutschland eingereist war und Asyl beantragt hatte.
Der Asylantrag der Familie sei abgelehnt worden, das Abschiebeverfahren laufe. Laut Polizeiangaben war gegen den 14-jährigen Schüler zuvor bereits wegen Körperverletzung ermittelt worden.
/DW/
