YPJ zur Integration: Sondereinsatzkraft mit 1500 Kämpferinnen im Innenministerium geplant
Nach der Auflösung der SDF erklärte die Leiterin des YPJ-Pressezentrums, Rûken Cemal, es sei mit der Führung in Damaskus grundsätzlich vereinbart worden, die Einheit unter Beibehaltung ihrer eigenen Kommandostruktur als „Sondereinsatzkraft“ mit 1500 Kämpferinnen in das syrische Innenministerium einzugliedern.

RastinewsRûken Cemal, Leiterin des Pressezentrums der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ), erklärte in einem Interview mit Nalin Hesen von Rûdaw TV, dass mit der Führung in Damaskus grundsätzlich Einigkeit darüber erzielt worden sei, die YPJ unter Beibehaltung ihrer bestehenden Kommandostruktur in das syrische Innenministerium einzugliedern.
Cemal zufolge wurde bei den Gesprächen, die vom 25. bis 27. August in Damaskus geführt wurden, die Eingliederung der YPJ als eigenständige Kraft von rund 1500 Kämpferinnen in die Struktur des Ministeriums erörtert.
Kommandostruktur soll erhalten bleiben
Wie Cemal berichtete, traf die YPJ-Delegation am 27. August mit dem syrischen Innenminister Enes el-Hattab, seinem Stellvertreter sowie zwei hochrangigen Offizierinnen zusammen.
Bei dem Gespräch sei die Forderung übermittelt worden, die Einheit mit ihren Kämpferinnen, Kommandantinnen und unterschiedlichen Abteilungen als „organisierte Kraft“ in den Prozess einzubeziehen, so Cemal. Beide Seiten hätten diesem Vorschlag grundsätzlich zugestimmt, eine endgültige Entscheidung stehe jedoch noch aus.
Cemal zufolge wurde zunächst erwogen, die YPJ als „Sondereinsatzkraft“ oder „Antiterror-Einheit“ in der Umgebung von Kobani, Hesekê, Qamişlo und Dêrik zu stationieren; die endgültige Struktur solle sich erst nach Gesprächen mit den Kommandanturen der Inneren Sicherheit in Hesekê und Aleppo klären.
Das syrische Innenministerium hat sich zum Inhalt der Gespräche bislang nicht offiziell geäußert.
„Innenministerium statt Verteidigungsministerium“
Cemal zufolge hatte die YPJ zuvor die Option einer Eingliederung in das Verteidigungsministerium ins Gespräch gebracht; die derzeitige Struktur der syrischen Armee sei jedoch nicht bereit, eine autonome Fraueneinheit zu akzeptieren.
Aus diesem Grund erscheine die Option einer Sondereinsatzkraft im Rahmen des Innenministeriums geeigneter, so Cemal. Ziel sei der Schutz von Frauen sowie ein Beitrag zum Wiederaufbau Syriens.
Die Sondereinsatzkraft übernehme in Ausnahmesituationen operative Aufgaben gegen innere und äußere Bedrohungen – ein Profil, das sich mit der bisherigen Erfahrung der YPJ decke, sagte Cemal.
Von 3500 auf 1500 Kämpferinnen
Cemal erklärte, die YPJ habe bis zum letzten Kriegseinsatz eine Stärke von etwa 3500 Kämpferinnen erreicht; im Zuge des neuen Prozesses seien einige Kämpferinnen zur Asayîş gewechselt, andere hätten Aufgaben in Institutionen der Autonomieverwaltung übernommen oder seien ins zivile Leben zurückgekehrt.
Die mit Damaskus zur Integration verhandelte Truppe werde einschließlich Kommandoebene aus rund 1500 Kämpferinnen bestehen und zunächst vor allem in den bisherigen Einsatzgebieten der YPJ stationiert.
Schicksal von sechs Kämpferinnen ungeklärt
Cemal berichtete, seit Gründung der YPJ seien 52 Kämpferinnen in Kämpfen in Gefangenschaft geraten, der Großteil von ihnen sei inzwischen freigelassen worden.
Derzeit befänden sich noch sechs Kämpferinnen in Gefangenschaft, deren Schicksal weiterhin ungeklärt sei. Drei von ihnen seien während der Schlacht um Efrîn 2018 gefangen genommen worden, eine in Girê Spî (Tal Abyad) und zwei bei Angriffen auf Minbic.
Cemal zufolge wurden 2025 dreizehn Kämpferinnen freigelassen; im Rahmen des Abkommens vom 29. Januar seien zudem 33 im letzten Kriegseinsatz gefangene Kämpferinnen befreit worden.
979 Kämpferinnen gefallen
Cemal teilte mit, dass die YPJ seit ihrer Gründung 979 Kämpferinnen verloren habe. Die Verluste seien vor allem bei den Angriffen auf Serêkaniyê und Girê Spî zu beklagen gewesen.
Zahlreiche Kämpferinnen seien verwundet worden und zu Veteraninnen geworden, so Cemal; die gesundheitliche Versorgung und Behandlung von Verwundeten und Veteraninnen gehöre ebenfalls zu den Themen, die im Rahmen des Integrationsprozesses geklärt werden müssten.
Neue Gespräche innerhalb einer Woche erwartet
Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, so Cemal; beide Seiten rechneten damit, sich innerhalb von etwa einer Woche bis zehn Tagen erneut auszutauschen.
Die endgültige Entscheidung über Struktur, Kommandosystem und Stationierungsgebiete der Einheit werde erst nach diesen Gesprächen erwartet, sagte Cemal.
SDF als eigenständige Kraft aufgelöst
Der Oberkommandierende der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mazlum Abdi, hatte am 25. August in Damaskus erklärt, der Integrationsprozess sei abgeschlossen und die SDF als eigenständige militärische Kraft aufgelöst worden.
Im Anschluss an diese Erklärung waren die YPJ-Kommandantinnen Newroz Ehmed, Sozdar Hacî, Xalsa Ayêd und Rûken Cemal mit einer von Innenminister Enes el-Hattab geleiteten Delegation in Damaskus zusammengetroffen.
Bereits im April hatte die YPJ-Delegation mit dem syrischen Verteidigungsminister Murhaf Ebu Kasra Gespräche geführt und einen schriftlichen Entwurf zur eigenständigen Aufstellung der Kämpferinnen vorgelegt.
Das am 29. Januar zwischen der Führung in Damaskus und der Autonomieverwaltung geschlossene Abkommen hatte den Rahmen für den Integrationsprozess festgelegt.
