ZUM INHALT SPRINGEN
NAHER OSTEN3 MIN. LESEZEIT

„Kurdisch wurde zweite Sprache“, hieß es: In Rojava jetzt Proteste gegen Drei-Stunden-Regelung für Kurdischunterricht

TEILEN
„Kurdisch wurde zweite Sprache“, hieß es: In Rojava jetzt Proteste gegen Drei-Stunden-Regelung für Kurdischunterricht

RastinewsNach der Auflösung der SDF in Syrien und dem Integrationsprozess mit Damaskus wurde nun klar, was die mit der Aussage „Kurdisch wurde zweite Sprache“ angekündigte Regelung in der Praxis bedeutet. Das syrische Bildungsministerium nahm Kurdisch als „Nationalsprache“ in den Lehrplan auf, legte den Unterricht jedoch auf drei Wochenstunden sowie eine Aktivitätsstunde fest. Gegen diese Entscheidung gingen in sieben Städten Nord- und Ostsyriens Lehrer, Schüler und Eltern auf die Straße.

Qamişlo (Rastî) – Die Entscheidung des syrischen Bildungsministeriums vom 27. August darüber, wie Kurdisch an Schulen unterrichtet werden soll, hat in Nord- und Ostsyrien Diskussionen ausgelöst.

Gemäß dem Beschluss Nr. 2068/943 wird Kurdisch in Regionen mit einem nennenswerten Anteil kurdischer Bevölkerung als „Nationalsprache“ in den Lehrplan staatlicher und privater Schulen aufgenommen.

Kurdisch wird in allen Bildungsstufen mit drei Wochenstunden unterrichtet, die Note fließt in den Notendurchschnitt der Schüler ein. Zusätzlich findet einmal wöchentlich eine Kurdisch-Aktivitätsstunde statt.

Im ersten Schuljahr der Übergangsphase wird zudem ermöglicht, dass die Fächer Sozialkunde, Geschichte, Geographie und Philosophie auf Arabisch oder auf Kurdisch belegt werden können.

Debatte um „zweite Sprache“ erneut aktuell

Die Entscheidung brachte auch die Debatte darüber, ob Kurdisch in Syrien als zweite Sprache anerkannt worden sei, erneut auf die Tagesordnung – eine Debatte, die nach der zwischen Damaskus und der SDF erzielten Vereinbarung geführt worden war.

Nach der Auflösung der SDF und der Übernahme einer Funktion durch Mazlum Abdi in der Verwaltung von Damaskus hatten einige Medien und Social-Media-Konten verkündet, Kurdisch sei in der neuen Phase zur „zweiten Sprache“ Syriens geworden.

Demgegenüber waren Journalisten und Kommentatoren, die darauf hinwiesen, dass die Regelung Kurdisch weder den Status einer zweiten Amtssprache noch den einer allgemeinen Unterrichtssprache verleihe, sondern im Wesentlichen vorsehe, Kurdisch in bestimmten Regionen als Unterrichtsfach zu führen, kritisiert worden.

Der am 27. August veröffentlichte Umsetzungsbeschluss machte die zentrale Unterscheidung in dieser Debatte sichtbar.

Im Beschluss des Ministeriums wird Kurdisch als „Nationalsprache“ definiert; als zweite offizielle Unterrichtssprache neben Arabisch für ganz Syrien wird es jedoch nicht festgelegt.

Genau aus diesem Grund kommt der Widerspruch nun aus der Region selbst.

Proteste in sieben Städten

In Qamişlo, Hesekê, Dêrik, Amûdê, Dirbêsiyê, Tirbespî und Girkê Legê organisierten Lehrer, Schüler und Eltern Protestaktionen gegen die Reduzierung des Kurdischen auf ein Fach von wenigen Wochenstunden.

Bei den Kundgebungen in Qamişlo wurde betont, dass muttersprachlicher Unterricht und das mehrstündige wöchentliche „Unterrichten“ einer Sprache nicht dasselbe seien.

Die vor der Bildungsdirektion in Hesekê versammelten Lehrer trugen Transparente mit den Aufschriften „Ohne Sprache kein Leben“ und „Kurdisch ist unsere Identität“.

Im Zentrum des Widerspruchs der Lehrer steht die Zukunft des bestehenden Bildungssystems.

Pädagogen, die daran erinnern, dass in der Region Fächer von Mathematik bis Naturwissenschaften auf Kurdisch unterrichtet werden, erklären, dass die Reduzierung des Kurdischen auf ein reines Sprachfach einen Rückschritt gegenüber dem bestehenden muttersprachlichen Bildungssystem bedeuten würde.

Auch die Universität Rojava widersprach

Auch von der Universität Rojava kam eine Reaktion auf die Entscheidung.

Die Universität erklärte, Kurdisch werde nicht nur im Bereich Sprache und Literatur verwendet, sondern sei auch Unterrichtssprache in verschiedenen Bereichen, darunter Mathematik, Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Gesundheitswissenschaften.

Die Universitätsleitung warnte, eine Änderung der Unterrichtssprache werde den Lernprozess der Studierenden unmittelbar beeinträchtigen, und forderte ein zwei- oder mehrsprachiges Bildungssystem, in dem Kurdisch und Arabisch keine Alternativen zueinander seien.

Kern der Debatte: Wird Kurdisch ein Unterrichtsfach oder eine Unterrichtssprache?

Der Beschluss von Damaskus vom 27. August bringt insofern eine bedeutende Veränderung, als Kurdisch damit den Status einer verbotenen Sprache verliert und in den offiziellen Lehrplan aufgenommen wird.

Der Widerspruch in Nord- und Ostsyrien entzündet sich jedoch an einem anderen Punkt:

Für Schüler, die in der Region seit Jahren auf Kurdisch unterrichtet werden, geht es nicht darum, dass Kurdisch in der Schule „gelehrt“ wird, sondern darum, dass der Unterricht auf Kurdisch fortgeführt werden kann.

Genau dieser Einwand war es, der bereits Monate zuvor in der Debatte um „Kurdisch wurde zweite Sprache“ geäußert wurde.

Die Lehrer, Schüler und Eltern, die nach dem Beschluss vom 27. August auf die Straße gingen, richten nun dieselbe Frage an die Verwaltung in Damaskus:

Wird Kurdisch nur ein unterrichtetes Fach sein, oder geht es um das Recht kurdischer Kinder auf Bildung in ihrer Mutterspra

TEILEN

Kommentare

Kommentar schreiben

WEITERLESEN