Teuerung in Iran wächst: Inflation nähert sich 70 Prozent

RastinewsDie Wirtschaftskrise in Iran verschärft sich weiter. Im August stieg die Jahresinflation auf 69,9 Prozent, während die Lebensmittelpreise um 128 Prozent zulegten. Der Wertverlust des Rial und die durch den Krieg verursachte wirtschaftliche Last treffen vor allem einkommensschwache Bevölkerungsgruppen. In Teheran wächst die Sorge, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten erneut zu Straßenprotesten führen könnten.
Die seit Langem anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Iran haben sich durch die Auswirkungen von Krieg und Sanktionen weiter vertieft.
Laut den Augustdaten des iranischen Statistikzentrums stieg die Jahresinflation auf 69,9 Prozent. Die Preise legten gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 89 Prozent zu, während die monatliche Inflation bei 3,4 Prozent verzeichnet wurde.
Das eigentlich schwerwiegende Bild zeigt sich bei den Grundbedürfnissen. Die Preise für Lebensmittel, Getränke und Tabak stiegen binnen eines Jahres um etwa 128 Prozent. Bei Ölen und Fetten überstieg der Preisanstieg 258 Prozent.
Die hohe Inflation trifft vor allem einkommensschwache Gruppen am stärksten. Den Daten zufolge erreicht die Jahresinflation bei Gruppen mit niedrigem Einkommen bis zu 78,3 Prozent.
Lohnerhöhung durch Teuerung aufgezehrt
Der Mindestlohn in Iran war zu Jahresbeginn um etwa 60 Prozent angehoben worden. Die hohe Inflation und der Wertverlust des Rial gegenüber dem Dollar zehrten jedoch einen erheblichen Teil dieser Erhöhung innerhalb kurzer Zeit wieder auf.
Der Gegenwert des Mindestlohns, der Ende März noch bei etwa 105 Dollar lag, sank durch die Verluste des Rial auf etwa 86 Dollar.
Auch in jüngsten Berichten der iranischen Presse zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Zahl der Familien, die ihren Fleisch- und Hühnerkonsum einschränken, nimmt zu. Obst und Milchprodukte werden für viele Familien zunehmend unerschwinglich.
Auch Außenhandel schrumpft
Eine weitere Dimension der Krise zeigt sich im Außenhandel.
Staatspräsident Massud Peseschkian erklärte, der Außenhandel Irans sei durch die Sanktionen und die von den USA verhängte Seeblockade um 35 Prozent zurückgegangen.
Die Einbußen bei den Öleinnahmen, Probleme in der Produktion sowie der Wiederaufbau der im Krieg beschädigten Anlagen verstärken zudem den finanziellen Druck auf die Regierung.
Die iranische Führung versucht einerseits, das Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu halten, muss andererseits aber die staatliche Unterstützung für Grundbedürfnisse aufrechterhalten.
Benzin erneut ein heikles Thema
Eines der heikelsten Themen für die Führung in Teheran sind die Benzinpreise.
Der tägliche Benzinverbrauch in Iran übersteigt mittlerweile die Produktion, was die Regierung zu neuen Regelungen zwingt. Wegen der gesellschaftlichen Reaktionen, die eine mögliche Erhöhung der Benzinpreise auslösen könnte, verhält sich die Regierung in dieser Frage jedoch vorsichtig.
Der Grund dafür liegt in den Ereignissen der jüngeren Vergangenheit.
Im November 2019 hatte die Erhöhung der Benzinpreise in Iran landesweite Proteste ausgelöst, die sich rasch zu regierungsfeindlichen Demonstrationen entwickelten.
Kehrt die Wirtschaftskrise wieder auf die Straße zurück?
Genau hier beginnt die eigentliche Sorge in Teheran.
In jüngsten Äußerungen iranischer Amtsträger wird zunehmend darauf hingewiesen, dass Teuerung, Arbeitslosigkeit und Kraftstoffpreise in gesellschaftlichen Widerstand umschlagen könnten.
Auch der Kommandeur der iranischen Polizei, Ahmad Reza Radan, nannte Lebenshaltungskosten, Wirtschaft, Arbeitslosigkeit und Benzinpreise als Themen, die gesellschaftliche Unruhen auslösen könnten.
Die Erinnerung der iranischen Führung an dieses Thema ist noch frisch.
Im Dezember 2025 hatten von Basar-Händlern in Teheran begonnene Proteste gegen den raschen Wertverlust des Rial und die Teuerung sich rasch auf andere Städte ausgeweitet. Die zunächst mit wirtschaftlichen Forderungen begonnenen Demonstrationen entwickelten sich später zu Protesten, bei denen auch politische Parolen gerufen wurden.
In den seither vergangenen Monaten haben sich die Wirtschaftsindikatoren nicht verbessert.
Die Inflation nähert sich der Marke von 70 Prozent. Die Lebensmittelpreise haben sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Der Rial verliert weiter an Wert. Während der Außenhandel schrumpft, wird erneut über die Benzinpreise diskutiert.
Aus diesem Grund wird in Teheran inzwischen nicht mehr nur die Inflationsrate, sondern auch genau beobachtet, ob die Teuerung erneut auf die Straße zurückkehrt.
