Fall Kabaiş: Neues Gutachten belegt Zugriff auf Google-Konto während des Verschwindens
Im Ermittlungsverfahren zum Tod von Rojin Kabaiş liegt ein neues Sachverständigengutachten vor: Vier Tage nach ihrem Verschwinden wurde auf das mit ihrem Telefon verknüpfte Google-Konto zugegriffen, am 10. Oktober erfolgte zudem eine Gerätelöschung.

RastinewsVier Tage nach dem Verschwinden von Rojin Kabaiş wurde laut einem neuen Sachverständigengutachten im Ermittlungsverfahren zu ihrem Tod auf das mit ihrem Telefon verknüpfte Google-Konto zugegriffen; am 10. Oktober sei zudem eine Gerätelöschung vorgenommen worden.
Zudem steht im Ermittlungsverfahren noch der rechtsmedizinische Bericht aus, der klären soll, wann die beiden in Kabaiş' Körper nachgewiesenen Medikamente eingenommen wurden und ob sie ertrunken ist.
Im Ermittlungsverfahren zum Tod der Studentin Rojin Kabaiş, die am 27. September 2024 in Van verschwand und deren Leiche 18 Tage später gefunden wurde, liegt nun ein neues Sachverständigengutachten zu ihrem lange nicht entsperrbaren Mobiltelefon und den damit verknüpften Konten vor.
Dem Gutachten zufolge wurde am 1. Oktober 2024 – vier Tage nach ihrem Verschwinden – über eine IP-Adresse per SMS auf das auf dem Gerät hinterlegte Google-Konto zugegriffen.
Ein weiterer im Gutachten dokumentierter Vorgang zeigt, dass am 10. Oktober 2024, als Kabaiş noch als vermisst galt, auf ihrem Google-Konto eine Gerätelöschung durchgeführt wurde. Die betreffende IP-Adresse sei Van zuzuordnen gewesen. Laut denselben Protokollen seien am selben Tag über eine weitere, in Tschechien lokalisierte IP-Adresse Anmelde- und Authentifizierungsvorgänge erfolgt, worauf im System der Eintrag „Erfolgreich – Gerätelöschung“ erschienen sei.
Im Gutachten wird festgehalten, dass die in Tschechien lokalisierte IP-Adresse möglicherweise durch die Nutzung eines VPN verschleiert wurde; die betreffenden Vorgänge hätten sich zu einem Zeitpunkt ereignet, als sich das Telefon im Kriminallabor der Gendarmerie in Van befand.
Telefon ließ sich auch in Spanien und China nicht entsperren
Das Mobiltelefon von Kabaiş, eines der zentralen Beweismittel des Verfahrens, war im Februar zur Datenauswertung nach Spanien geschickt worden, ohne dass die Gerätesperre aufgehoben werden konnte. Am 30. April wurde es anschließend zur technischen Untersuchung nach China gesandt; auch dort war laut dem dort erstellten Bericht kein Zugriff auf das Gerät möglich.
Bei der Untersuchung in China wurde zudem gewarnt, dass bestimmte Eingriffe an dem Telefon zur vollständigen Löschung der Software und der auf dem Gerät gespeicherten Daten führen könnten.
Neuer Bericht der Gerichtsmedizin erwartet
Ein weiterer Ermittlungsstrang betrifft die Todesursache: Die rechtsmedizinischen Untersuchungen dazu dauern an.
Wie Mustafa Şekeroğlu von Habertürk berichtete, soll der neue Bericht klären, wann zwei bei der Obduktion und den gerichtsmedizinischen Untersuchungen in Kabaiş' Körper nachgewiesene unterschiedliche Medikamente eingenommen wurden. In Magen und inneren Organen war Rocuronium nachgewiesen worden, im Mageninhalt zudem Ornidazol.
Der Anwalt der Familie, Abdurrahman Karabulut, erklärte, Rocuronium sei ein starkes Muskelrelaxans, das die Atemmuskulatur beeinträchtige. Es könne nicht von einer Operation stammen, die Kabaiş Wochen zuvor durchlaufen habe; die junge Frau könne betäubt und ihre Atmung dadurch gelähmt worden sein, so seine Vermutung.
Der neue Bericht soll außerdem das Ergebnis der auf Antrag der Familie durchgeführten Diatomeenanalyse enthalten. Der Diatomeentest gehört zu den forensischen Verfahren, die zur Klärung beitragen können, ob Kabaiş ertrunken ist.
Kabaiş' Vater, Nizamettin Kabaiş, hatte erklärt, sollte sich aus den vorhandenen Proben des Instituts für Gerichtsmedizin (Adli Tıp Kurumu) kein Ergebnis gewinnen lassen, könne eine Exhumierung (Fekk-i Kabir) zur Debatte stehen.
Quelle: T24
