Vierter Jahrestag von Jîna Emînîs Tod: Generalstreik in Rojhilat
Zum vierten Jahrestag des Todes von Jîna Mahsa Emînî, die in Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei ums Leben kam, hat das Bündnis der politischen Kräfte Rojhilats zu einem Generalstreik aufgerufen. In zahlreichen Städten, allen voran Sine, Seqiz, Bokan, Meriwan und Diwandere, folgten Geschäfte und Basare dem Aufruf.

RastinewsVor vier Jahren starb Jîna Mahsa Emînî, nachdem sie von der iranischen Sittenpolizei festgenommen worden war. Auf Aufruf des Bündnisses der politischen Kräfte Rojhilats begann am Mittwoch, den 16. September, ein Generalstreik in ganz Rojhilat; in zahlreichen Städten, allen voran Sine, Seqiz, Bokan, Meriwan und Diwandere, blieben Geschäfte und Basare geschlossen, die Straßen waren leer.
„Eine historische und geeinte Antwort“
Das aus sechs politischen Parteien bestehende Bündnis der politischen Kräfte Rojhilats hatte die Bevölkerung im Vorfeld des Jahrestags in einer Erklärung dazu aufgerufen, sich am Streik vom 16. September zu beteiligen und Geschäfte sowie Märkte zu schließen. „Wir rufen erneut die gesamte Bevölkerung dazu auf, sich auf Grundlage des Streiks vom 16. September zu erheben und mit der Schließung von Geschäften und Märkten eine geeinte und historische Antwort auf die Islamische Republik und ihre menschenverachtende Politik zu geben“, hieß es in der Erklärung des Bündnisses.
Der Streik beschränke sich nicht nur auf das Gedenken an die im Widerstand „Jin, Jiyan, Azadî“ Getöteten, betonte das Bündnis, sondern sei zugleich eine friedliche zivile Aktion, mit der die politischen und nationalen Forderungen des kurdischen Volkes zum Ausdruck gebracht würden.
Unterstützungsaufruf der Frauenplattform
Auch die Frauenplattform Rojhilatê Kurdistan – JÎNA erklärte, den Streikaufruf des Bündnisses zu unterstützen, und rief insbesondere Frauen und die junge Generation dazu auf, am 16. September Geschäfte, Märkte und Aktivitäten ruhen zu lassen. Zudem forderte die Plattform internationale Menschenrechtsorganisationen auf, den Druck auf Iran zu erhöhen und inhaftierte Aktivisten vor Hinrichtung und willkürlichen Festnahmen zu schützen.
Repression und Truppenaufgebot
Wie die Nachrichtenagentur ANF berichtete, versuchte das iranische Regime, den Streik durch die Verlegung von Sicherheitskräften nach Mihabad und Repression gegen die Bevölkerung zu verhindern. Dennoch herrschte in den Straßen der Städte Rojhilats bereits ab den Morgenstunden Streikstille.
Drei Tage nach der Festnahme gestorben
Die 22-jährige Jîna Mahsa Emînî war am 13. September 2022 in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch angeblich nicht vorschriftsmäßig getragen habe. Emînî wurde ins Krankenhaus eingeliefert und starb am 16. September 2022, drei Tage nach ihrer Festnahme. Ihr Vater erklärte damals, seine Tochter sei infolge von Schlägen und Folter durch die Polizei gestorben; iranische Behörden wiesen dies zurück und erklärten, Emînî sei „aus natürlichen Ursachen“ gestorben.
Emînîs Tod löste, auch weil sie Kurdin war, zunächst in kurdischen Städten und kurz darauf im gesamten Iran Massenproteste unter der Losung „Jin, Jiyan, Azadî“ aus. Die Proteste entwickelten sich zu einem der weltweit bekanntesten Symbole der Bewegung für Frauenrechte und Freiheit.
