ZUM INHALT SPRINGEN
AKTUELLES2 MIN. LESEZEIT

Familie von Sîpan Hiznî fordert Gerechtigkeit

Die Familie von Sami Şeyhmus Heso (Sîpan Hiznî), einem ehemaligen SDF-Kämpfer, der in der dem syrischen Heer unterstellten Hesekê-Brigade diente, hat in einer schriftlichen Erklärung gegen die Darstellung der Tötung ihres Sohnes als „Stammesrache“ protestiert.

TEILEN
Familie von Sîpan Hiznî fordert Gerechtigkeit

RastinewsDie Familie von Sami Şeyhmus Heso, der unter dem Kriegsnamen Sîpan Hiznî bekannt war und als ehemaliger SDF-Kämpfer in der Hesekê-Brigade der syrischen Armee diente, hat sich in einer schriftlichen Erklärung an die Öffentlichkeit und die zuständigen Stellen gewandt. Anlass ist die Entführung und Tötung ihres Sohnes. Die Familie forderte die Aufklärung des Falls und die Durchsetzung von Gerechtigkeit.

In der Erklärung wird daran erinnert, dass der 26-jährige Heso als Soldat der Hesekê-Brigade zur Sicherheit und zum Frieden der Gesellschaft beigetragen habe. Die Familie erklärte: „Jeder Vorfall, der sich während des Dienstes eines Soldaten ereignet, muss im Rahmen von Gesetzen, Ermittlungen und Gerichten behandelt werden. Ein Soldat darf im Nachhinein nicht zum Ziel einer illegalen Rache gemacht werden.“

Widerspruch zum Vorwurf der „Stammesrache“

Die Familie hielt fest, dass manche versuchten, den Mord mit einem früheren Vorfall aus Heso's Dienstzeit in Verbindung zu bringen und ihn als „Stammesrache“ darzustellen. Sie wies diesen Vorwurf zurück und betonte, dass bei einem Streit oder einer Beschuldigung der Rechtsweg für alle offenstehe, die Entführung und Tötung eines Menschen aus seinem eigenen Zuhause jedoch weder als Gerechtigkeit noch als legitime Rache gelten könne. „Dies ist ein Verbrechen. Jeder, der daran beteiligt war, dazu angestiftet hat, den Tätern geholfen oder versucht hat, sie zu schützen, muss zur Rechenschaft gezogen werden“, hieß es in der Erklärung.

„Wir wollen an niemandem Rache üben“

Die Familie erklärte, sie mache weder eine Nation noch einen Stamm für das Geschehene verantwortlich – die Verantwortung liege ausschließlich bei den Tätern selbst. „Wir wollen an niemandem Rache üben. Wir wollen auch nicht, dass ein anderer Mensch im Namen von Rache getötet wird“, hieß es.

Forderungen der Familie

In der Erklärung forderte die Familie, sämtliche Einzelheiten der Entführung und Tötung offenzulegen, die Ermittlungsergebnisse transparent bekanntzugeben, alle an der Tat Beteiligten zu ermitteln, etwaige Anstiftung, Hilfeleistung oder Schutzgewährung zu untersuchen und die für schuldig Befundenen einem unabhängigen Gericht zu übergeben. Zudem verlangte die Familie, die Hintergründe der Erzählung von der „Stammesrache“ aufzuklären und zu verhindern, dass stammesbezogene oder nationale Identitäten als Mittel zum Schutz von Verdächtigen missbraucht werden.

„Wir lehnen einen Schutz des Täters aufgrund seiner Identität ab“

Die Familie betonte, dass Heso, bevor er Soldat wurde, ein syrischer Kurde gewesen sei, der sein Land und jeden Bürger verteidigt habe, und dass das Recht auf Leben nicht von Religion oder Stammeszugehörigkeit abhänge. Die Erklärung endete mit den Worten: „Wir akzeptieren nicht, dass Syrien zu einem Ort wird, an dem Rechenschaft durch Rache an Menschen statt durch Gesetze eingefordert wird. Wir lehnen es ebenso ab, dass der Täter aufgrund seiner gesellschaftlichen Identität geschützt wird. Was wir für Sami wollen, wollen wir für jeden Menschen in Syrien: Sicherheit, Würde, Gleichheit und Gerechtigkeit. Es lebe Kurdistan, es lebe das kurdische Volk.“

Entführung und Tötung in Serêkaniyê

Sîpan Hiznî war am 10. September in Serêkaniyê von unbekannten bewaffneten Personen entführt worden. Auf der Straße nach Deir ez-Zor wurde er mit einer Stichwaffe getötet, anschließend wurde auf seinen leblosen Körper geschossen. Zu der Tat hat sich bislang keine Gruppe bekannt.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die Angreifer stammten aus dem arabischen Stamm der Baggara in der Region Deir ez-Zor und Heso sei mit der Tötung von Stammesangehörigen vor rund zwei Jahren in Verbindung gebracht worden. Vier Personen wurden im Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommen.

Nach dem Mord kam es in mehreren Städten Rojavas, vor allem in Hesekê, Qamişlo und Amûdê, zu Protesten; vielerorts wurden syrische Flaggen heruntergeholt. Die Räte der Märtyrerfamilien (Şehit Aileleri Meclisleri) hatten bereits zuvor den Vorwurf der „Stammesrache“ zurückgewiesen und erklärt, der Fall sei bereits von den Autoritätspersonen der Region gelöst worden.

TEILEN

Kommentare

Kommentar schreiben

WEITERLESEN